Donnerstag, 5. September 2013

Die 3 Schüssel zum Trainingserfolg

Viele Faktoren beeinflussen, ob ein Trainingsprogramm erfolgreich ist - also dem Erreichen der persönlichen Ziele dient oder nicht.
Drei davon sind meiner Meinung nach absolut Erfolgs kritisch und dürfen in keinem Programm fehlen.
Jeder, der aktiv Sport treibt, muss diese drei Faktoren im Auge behalten, sonst.....

Bevor ich Dir, lieber Leser, verrate welche das sind, muss ich erst noch etwas ausholen und klären was denn ein erfolgreiches Programm auszeichnet. Sportlicher Erfolg nach meiner Definition ist dann gegeben, wenn der Trainierende durch sein Programm langfristig leistungsfähiger wird. Natürlich ist die Leistungskurve zu Beginn steiler als nach einigen Monaten / Jahren aber nichts desto weniger muss sie ansteigen. Warum? - Ganz einfach:


Die Natur kennt nur plus oder minus.


Betrachtet man ein beliebiges ökologisches System, wir man feststellen, dass es so etwas wie ein Gleichgewicht nicht gibt - dieses entsteht in der Natur nur durch Interaktion unterschiedlicher Systeme miteinander und ist ständiger Veränderung unterworfen. Eine Spezies, die keine gute Bedingungen und wenig natürliche Feinde hat, wächst bis die Bedingungen sich verschlechtern und die Zahl der Feinde zunimmt. Wenn dieser Mechanismus einmal versagt - die Bedingungen also zu gut bleiben, zerstört die entsprechende Spezies über kurz oder lang ihren eigenen Lebensraum und verschwindet dann selbst.
Was in der Tierwelt gilt, gilt auch in unserem Körper. Verschiedene Prozesse halten sich gegenseitig in Schach. Nun haben wir den Vorteil aktiv durch unsere Lebensgewohnheiten Einfluss auf diese Prozesse nehmen zu können. Wer sein Gewicht und seinen Körperfett/Skelettmuskel-Anteil einmal einige Monate beobachtet, bekommt recht schnell ein Gefühl dafür, wie schnell diese Prozesse arbeiten.

Aus diesem Grund muss das Ziel jeder sportlichen Betätigung eine Verbesserung der eigenen Fähigkeiten sein.

Welche Fähigkeiten es zu verbessern gilt, ist eine Frage des individuellen Geschmacks - nur bergauf muss es gehen. Stillstand gibt es nicht; entweder Du wirst stärker oder schwächer.

"Stillstand ist Rückschritt" (bekannte Redensart)



Die 3 Hauptschlüssel

Wie oben schon erwähnt gibt es natürliche viele Faktoren, die den Erfolg Deines Trainings beeinflussen, viele davon sind davon abhägig, wie die individuellen Trainingsziele aussehen. Es gibt aber drei, die nach meiner Erfahrung für jeden zutreffen und die will ich in der Folge etwas genauer beleuchten


Schlüssel 1 - Ziele setzen

Oben habe ich erklärt, dass das Ziel eines jeden eine Verbesserung der eigenen Fähigkeiten sein muss - dies allein reicht aber noch nicht. Bevor Du eine Reise planst, musst Du Dir erst im Klaren sein, ob Du bereit bist, das Haus zu verlassen. Dich und Deinen Körper verändern zu wollen ist die Entsprechung, wenn es um Sport und Training geht.
Die nächste Entscheidung, die es zu treffen gilt, ist wohin die Reise geht. Jedes Ziel ist valide, solange Du Dir bewusst bist, wo Du gerade bist und wie "weit" der Weg sein wird, auf den Du Dich machst. Ich habe einen Schüler, der bereits zwei mal gelähmt war; trotzdem macht er wieder Taekwondo und bereitet sich gerade auf seinen roten Gürtel vor - die Ärzte haben ihm gesagt, er würde nie wieder laufen können.
Konkrete Ziele und eine realistische Einschätzung des Status Quo sind also unerlässlich. Bei letzterem kann Dir ein guter Trainer helfen (falls dieser Dir sagt, Du könntest Dein Ziel nicht erreichen, ist er kein "guter"), für ersteres bist Du selbst verantwortlich. Auch wenn Deine Voraussetzungen schlecht und Deine Ziele hoch gesteckt sind - Du kannst alles erreichen, wenn Du nur dran bleibst und Dir realistische Zwischenziele setzt.
Wie müssen Deine (Zwischen-)Ziele aussehen?

Ohne Ziel kein Preis!

  • Realistisch - Auch wenn Dein Ziel eine Weltreise ist, fange erst einmal mit der ersten Etappe an.
  • Konkret - Als erste Etappe nach Rom zu fahren ist konkret - Richtung Süden weniger.
  • Messbar - Definiere klar, wann das Ziel erreicht ist und wie Du es feststellen kannst.
Nachdem wir das konkrete Ziel festgelegt haben, geht es jetzt ans eingemachte. Schlüssel 1 zeichnet den Plan - 2 und 3 leisten die Arbeit, um aus dem Plan Wirklichkeit zu machen.

Schlüssel 2 - Konsistent trainieren

Training hat für mich immer etwas mit lernen zu tun - simples abschwitzen genügt nicht, um ein hohes Niveau in irgendeinem Sport zu erreichen. Es gilt zu üben, zu analysieren, zu korrigieren. Dieser Prozess braucht Zeit und duldet keine Unterbrechungen.

Verfolge Dein Ziel, wie der Esel der Karotte - und Du wirst es erreichen.

Wer über einen langen Zeitraum regelmäßig trainiert, kommt seinen Ziel zwangsläufig näher. Er muss nicht von Beginn an alles perfekt mache, er hat Zeit immer zu lernen und Erfahrungen zu sammeln bis er letztlich ein Niveau erreicht, das andere sich nicht mal vorstellen können. Wir lernen aus Fehlern mehr als aus Erfolgen (man, hab ich schon viel gelernt ;-).

Ausspruch von Großmeister Kwon Jae Hwa:
"Ein Schwarzgurt ist nur ein Weissgurt, der nie aufgehört hat"

Nur eines ist strikt verboten: Aufzuhören, um "mal was anderes auszuprobieren". Klar kannst Du neue Sachen ausprobieren, aber eben nicht statt Deinem Training, sondern ergänzend dazu. Wenn die neue Methode funktioniert, integriere sie, wenn nicht, hast Du nichts verloren.
Dan John erklärt in seinem Buch "Never Let Go", dass Du nur beurteilen kannst, ob eine neue Methode funktioniert, wenn Du sie im Rahmen Deines normalen Trainingsprogramms erprobst. Alles funktioniert für bis zu sechs Wochen - aber erst danach zählt es.

Alles funktioniert für bis zu sechs Wochen - aber erst danach zählt es.

Schlüssel 3 - Intensität

Dies ist der letzte der drei Hauptschlüssel - und der an dem leider viele Langzeit-Sportler scheitern. Trotz Jahrzehnte langem regelmäßigem Training bleiben sie auf einen relativ niedrigem Niveau, bis der Zahn der Zeit sie in die Knie zwingt.
Der Kettlebell Snatch - Intensität pur...
Training ist eine biologische Reaktion des Körpers auf eine Belastungssituation - wenn keine Belastung eintritt, findet auch kein Trainingseffekt statt. Das SAID-Prinzip (special adaptation to imposed demand) besagt, dass der Körper versucht sich auf jede unvorhergesehene Belastung einzustellen. Das Stichwort ist unvorhergesehen - jeden morgen 5 km zu joggen und 50 Liegestützen runter zu reißen ist nur für einige Wochen eine unvorhergesehene Belastung. Auf lange Sicht wird er Sportler, der diesem Programm folgt, effektiv weniger leistungsfähig sein als zu beginn. Seine Lauf- und Liegestütztechnik wird immer ausgefeilter - er braucht immer weniger Kraft und Ausdauer, um sein tägliches Programm zu absolvieren.
Also ist jeder Sportler darauf angewiesen, langsam aber stetig mehr von seinem Körper zu verlangen. Wenn es nicht nach oben geht, dann geht es nach unten - das ist Gesetz.
Um das obige Beispiel auszubauen: 
Statt konstant 5 km zu joggen, wären mal längere, mal kürzere Distanzen mit höherer Intensität (Sprints, Berglauf, Intervalle) sinnvoller.
Die Liegestützen lassen sich mit einfachen Programmen wie Pavels Naked Warrior über Jahre hinweg abwechslungsreich gestalten. (zum Buch / zum Workshop)
Super stark mit nur zwei Übungen?





Dienstag, 27. August 2013

Erlebe den RKC Spirit (und eine kostenlose Trainingssession)


  • Willst Du am eigenen Leib erleben was RKC Kettlebell Instruktoren auszeichnet?
  • Willst Du den RKC-Spirit erleben?
  • Willst Du uns helfen den hohen Ausbildungsstandard der RKC Shool of Strength auch für die nächste Generation von Instruktoren sicherzustellen?
  • Willst Du ein kostenloses Einzeltraining, bei dem Du von einem qualifizierten Kettlebell Trainer in die Grundlagen des Kettlebell Trainings eingeführt wirst?
  • Willst Du die weltbesten Dragondoor Kettlebells mit einem einmaligen Rabatt kaufen? 


Wenn Du eine oder mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortet hast, bekommst Du jetzt Deine Chance!

Feel the RKC Spirit!


Am 13, 14 und 15 September findet beim "Sports 4 You"  in der Drygallskiallee 41 in München, die 3-tägige RKC Kettlebell Instruktoren Ausbildung statt. Am letzten Tag (15.9 Sonntag) um 14:00 muss jeder Kandidat eine Lehrprobe ablegen um zu zeigen dass er unseren hohen Standards gerecht wird. 
Genau hier kommst Du ins spiel: Stelle Dich als "Testkunde" zur Verfügung und lasse Dich von einem angehenden RKC Instruktor ca. 20 Minuten individuell in das Hardstyle Kettlebell Training einführen - natürlich kostenlos. Als zusätzlichen Anreiz bekommst Du Gelegenheit die Kettlebells die im Kurs benutzt wurden mit einem Rabatt von 20 % zu erwerben (Vorherige Reservierung per Email notwendig.)

Nach Deinem Personal-Training kannst Du gern, beim berühmt - berüchtigten Grad-Workout zuschauen, bei dem die zukünftige Hardstyle Kettlebell Instruktoren nach drei Kurstagen noch einmal alles geben müssen, um Ihre Zertifizierung zu erhalten. Sie werden sich freuen wenn Du sie dabei anfeuerst. ;) 



Die Teilnahme kostenlos, aber die Plätzen sind Limitiert und werden der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben, melde Dich also so bald wie möglich über support@rkckettlebell.de an. Gib als Betreff "KettlebellGermany" Anmeldeschluss ist der 6.9.2013

Power to You!

Florian Kiendl 
RKC II, SFG II, SFB, CK-FMS
Donnerstag, 15. August 2013

Der Kettlebell Thruster


Der Thruster oder Long Push Press kombiniert die Übungen Front Squat und Press zu einer einzigen äußerst effektiven Übung, die sowohl die Beinemuskulatur als auch den Schultergürtel in besonderem Maß fordert. Ich habe die Übung schon einige Zeit nicht mehr trainiert und habe mich von Haralds Artikel über das Tabata Protokoll dazu inspirieren lassen, sie wieder einmal zu machen. Für das Tabata Protokoll braucht es Übungen, die möglichst viele Muskelgruppen mit einbeziehen und da ist der Thruster eine gute Wahl. Da Tabata, aufgrund der extrem hohen Intensität, mit eher kleinen Kettlebells trainert wird, macht eine Übung mit zwei Kugeln Sinn da dann doppelt so viel Gewicht bewegt wird als mit einer.
Mein persönlicher Trainingsschwerpunkt liegt gerade auf Kniebeugen und Presses, womit der Thruster für mich eine gute Ergänzung für mein Programm ist, um Abwechslung (Specialized Variety)  hinein zu bringen.

Übungsbeschreibung: Der Thruster




Donnerstag, 1. August 2013

Zurück zu Deiner "Orginal Strength"


In meinen Workshops erkläre ich regelmäßig die verschiedenen Ebenen aus denen körperliche Leistungsfähigkeit sich zusammensetzt. Gray Cook hat diese in seiner Bewegungspyramide dargestellt:

Unser Hardstyle Kettlebell Training ist eine der effektivsten Methoden die zweite Ebene der Pyramide zu stärken. Wir stellen aber auch immer wieder, anhand von regelmäßig wiederholten FMS-Screens, fest, dass die unterste Ebene von unserem Hardstyle Kettbell Training gestärkt und korrigiert wird - hierbei handelt es sich allerdings nicht um das Ergebnis systematischer, gezielter Arbeit, sondern um einen Nebeneffekt biomechanisch korrekten Training.

Diese unterste Ebene ist der Schlüssel zu Bewegungsqualität und damit indirekt auch zu Lebensqualität.
Diese Ebene befasst sich mit den Bewegungsmustern, die sich ein Säugling im ersten Lebensjahr hart erarbeiten muss.
Um gezielt an dieser Ebene zu arbeiten gibt es verschiedenen Methoden:

  • FMS-Korrekturen: Wie ein Scharfschütze wird jeweils das (im FMS Screen ermittelte) schwächste Glied der Bewegungskette bearbeitet. Obwohl zweifellos effektiv ist diese Methode für den Trainierenden die unangenehmste, da er oft für Wochen genau das Üben muß, dem er bisher unbewusst aus dem Weg gegangen ist. Häufig höre ich so etwas wie - "kann ich nicht lieber ein paar Swings machen?"
  • Primal Move: Wo FMS der Scharfschütze ist, ist PM eine Schrotflinte. Spielerisch werden grundlegende Bewegungsmuster eingeübt. Um sich hier nicht selbst eine Falle zu stellen und ungeliebte Übungen unter den Tisch fallen zu lassen, ist es sehr zu empfehlen mit einem Trainer zu arbeiten. Der Vorteil dieser Methode ist der Spassfaktor.
  • Original Strength: Diese Methode gründet auf dem gleichnamigen Buch und ist eine Art Hybrid aus den beiden oben genannten. Ausserdem bietet sie sich wegen ihrer Einfachheit besonders für Autodidakten an. Nach Lektüre des Buches kann man praktisch sofort loslegen und Origial Strength problemlos in jedes beliebige Trainingsprogramm integrieren. Es ist eine Art minnimal PM Programm, in das nur die Übungen eingeflossen sind, von denen jeder profitieren kann.

Bevor ich die letzt genannte Methode genauer erläutere möchte ich erst noch auf die, allen drei Systemen zugrunde liegenden Prinzipien eingehen.

Die frühkindliche Entwicklung legt das Fundament für die spätere Bewegung

Lasst uns zurückdenken und überlegen, wie wir alle unser Leben auf diesem schönen Planeten begonnen haben. Kurz nach der Geburt waren wir alle etwa so mobil wie eine Zimmerpflanze, wo und wie immer Mama uns hingelegt hat, lagen wir, ob auf Bauch oder Rücken. Irgendwann haben wir dann herausgefunden, dass wir mehr von unsere Umgebung mitbekommen, wenn wir unseren Kopf heben. Einige Monate später ist es uns frühkindlichen Athleten dann (meist zufällig) gelungen uns umzudrehen und uns mit den Armen abzustützen. Nach einigen Zwischenschritten und einer Menge Versuch und Irrtum fanden wir uns dann auf Händen und Knien im Vierfüßlerstand wieder. Das führte schließlich zum Krabbeln und schlussendlich viele Monate, Bruchlandungen und blaue Flecken später zum Laufen. So bewegen wir uns heute noch täglich fort.


Die Welt der Bewegung erforschen!


Grundbewegungsmuster als "Heilung" für allerlei Bewegungsprobleme

Egal ob Du ein sportlich aktiver Mensch bist, oder ob Du eher dem Lebensstil der Topfpflanze treu geblieben bist, kannst Du davon ausgehen, dass Deine grundlegenden Bewegungsmuster nicht mehr so sind, wie sie es in Deiner frühen Kindheit waren. 
Setze dich einfach mal eine Stunde an einen Spielplatz und beobachte die Bewegungen, die Vorschulkinder ganz selbstverständlich und ohne groß darüber nachdenken zu müssen beim Spielen so mache. Eine halbe Stunde in der tiefen Hocke Sandburg bauen, Purzelbäume schlagen (freiwillig oder unfreiwillig) einen Hügel hinunterrollen. Überlege einmal wie viel Dein Chiropraktiker zu tun bekäme, wenn Du es ihnen gleich tun wolltest.
Diese selbstverständliche und mühelose Bewegung kommt nicht etwa daher, dass die Kids so jung und Du so alt bist, sondern daher, dass Ihre Bewegungsmuster (in EDV Begriffe übersetzt die Bewegungs-Firmware) noch in Takt ist und nicht durch jahrelanges Sitzen und viele grössere und kleiner Unfälle verändert wurden.
Aber Du kannst wieder zurückfinden zu müheloser Bewegung und Beweglichkeit Deiner Jugend und zwar ganz einfach...

Was schon mal funktioniert hat, wird wieder funktionieren

Du kennst bereits das perfekte Trainingsprogramm um - was Deine Bewegung betrifft - wieder genau dahin zu kommen, wo Du zwischen 1,5 und 5 Jahren warst. Du hast es ja schon mal gemacht. Untersuchungen von sehr klugen Leuten wie Gray Cook  und seinen Mitstreitern haben klar ergeben, dass das gleiche Programm auch bei Erwachsenen wahre Wunder bewirken kann. Gray Cook hat es durch die Erfindung seines sogenannten FMS-Screens erstmals möglich gemacht Bewegungsqualität zu messen. Dank dieser Methode wird es möglich objektiv zu beurteilen, ob ein Trainingsprogramm die Qualiät Deiner Bewegungen fördert oder eben nicht. Auf dieser Basis wurden in den letzen Jahren einige Methoden entwickelt, die sich gezielt damit befassen diese Grundbewegungsmuster zu verbessern. Eine davon will ich im folgenden vorstellen:

Zurück zu Deiner "Original Strength"

Tim Anderson und Geoff Neupert haben bei der Entwicklung des im Buch vorgestellten Programms einen streng wissenschftlich - minimalistischen Ansatz verfolgt. Alles wovon nicht der allergrösste Teil der Probanten profitieren konnten, flog raus. Das Ergebnis ist ein Programm, das sich innerhalb von 5 Minuten absolvieren lässt (man kann natürlich auch mehr Zeit damit verbringen) und das regelmässig praktiziert, Deine Grundbewegungsmuster restauriert und Dir die Freiheit zurück gibt, Dich mühelos und spielerisch wie ein Kind zu bewegen. Die Autoren haben ausserdem fesgestellt, daß vielen Bewegungsproblemen und Schmerzsituationen mit diesen 5 simplen Übungen beizukommen ist.

Die 5 Wunderübungen sind: 

Rollen, Kopfnicken, Schaukeln, Krabbeln, Überkreuz-Krabbeln.
Wahnsinn! Hört sich daß nicht höchst komplex und wissenschaftlich an?
Bevor Du meinen Geisteszustand in Zweifel ziehst, gib mir noch ein paar Minuten und ich werden versuchen zu erklären warum, wie so oft, auch hier die einfachsten Lösungen die besten sind.
Lasse uns die Übungen erst einmal eine nach der anderen durchsprechen:

  • Rollen: Wie auf diesem Blog schon mehrfach erwähnt, ist dies eines der ersten Bewegungsmuster die wir als Baby entwicklen. Zum einen ist es richtig ausgeführt (also ohne sich mit Händen oder Füssen abzustossen) ein ziemliches Workout, zum anderen (und wichtigeren) bekommt unser ZNS dadurch massenweise Feedback von sogenannten Propriozeptoren am ganzen Körper, die sonst im Alltag praktisch nie ausgelöst werden. Im Buch finden sich mehrere Varianten, vom relativ einfachen Segmental-Roll bis hin zum Hard Roll (der Name ist Programm).
  • Schaukeln: Das Schaukeln findet nicht unbedingt auf dem gleichnahmigen Spielgerät statt, sondern auf allen vieren. Dabei wird einfach mit der Hüfte rythmisch nach hinten geschaukelt, nach vorne kommen wir dann praktisch von selbst. Diese einfache Bewegung beeinflusst ein System unseres Körpers, das einen ganz besonderen Stellenwert für uns hat, das wir aber praktisch nie wahrnehmen - ausser wenn es mal nicht funktioniert. Es ist der Gleichgewichtssinn von dem die Rede ist - der erste Sinn den ein Embryo wenige Wochen nach der Zeugung entwickelt und somit der Prototyp für alle anderen Sinne die sich später entwicklen. 
  • Kopfnicken: Ebenfalls im Vierfüßler-Stand wird das Kinn zur Brust gezogen und dann das Gesicht soweit wie möglich zur Decke gestreckt. Achte darauf den Hals lang zu machen und nicht den Kopf dabei einzuziehen. Dies regt natürlich ebenfalls den Gleichgewichtssinn an und lockert ausserdem die bei den meisten Menschen chronisch verspannte Hals- und Nackenmuskulatur.
  • Krabbeln: Warum Krabbeln wenn man doch auch Laufen kann? Gute Frage. Laut den Autoren ist laufen ebenfalls ein "Reset" also eine Möglichkeit Bewegungsmuster zu rekonstruieren aber, da wir es ständig machen, haben wir gelernt dabei zu mogeln. Mit Mogeln ist gemeint, dass wir laufen können ohne den Oberkörper dabei mitzunutzen. Beim Krabbeln ist mogeln, da alle vier Gliedmaßen Bodenkontakt haben, unmöglich. Nebenbei kann Krabbeln - je nach dem für welche Variante Du Dich entschiedest, ein ziemliches Workout sein. Versuch mal 5 Minuten Tiger-Crawl durchzuhalten.
  • Überkreuz-Krabbeln: Aus meine Sicht haben die Autoren für diese Übung keinen sonderlich treffenden Namen gefunden. Gemeint ist im Vierfüßler-Stand, in Rückenlage oder auch im Stehen Ellenbogen und Knie diagonal zusammenzubringen. Dies fördert die Kommunikation der beiden Gehirnhälften.
So, das war es schon - ein minimalistisches Programm, das sich schnell und einfach in das eigene Training integrieren lässt oder auch als Basisprogramm für sportlich ambitionierte "Topfpflanzen" (nicht böse sein ;-) dienen kann. Wenn ich Dein Interesse geweckt habe: ein Klick aufs Bild unten bringt Dich zu Amazon.

Samstag, 27. Juli 2013

Was heisst: funktional?


Seit einigen Jahren hört man im Zusammenhang mit sportlicher Betätigung, besonders aber im Bereich Fitness, immer wieder das Prädikat "funktional". Es ist so populär geworden, dass jeder Hersteller von Sportgeräten, -bekleidung und -dienstleistungen es gerne nutzt, um seinen Kunden das Gefühl zu vermitteln, das best mögliche Produkt / Kleidungsstück / Trainingsprogramm für sich gefunden zu haben.

Im folgenden Artikel möchte ich den Versuch machen zu definieren, was "funktional" eigentlich bedeutet und wie man ein funktionales Produkt / Programm von einem unterscheiden kann, das dieses Prädikat nur aus Marketing-technischen Gründen bekommen hat. Wenn Du diesem Blog schon längere Zeit folgst, wird Dir auffallen, dass dies nicht mein erster derartiger Artikel ist - das Thema liegt mir einfach am Herzen.

Funktional zu trainieren bedeutet... 

nicht mehr (und auch nicht weniger) als so zu trainieren, dass ein Transfer zu anderen, nicht direkt geübten Aktivitäten auftritt.

Mein letzter PR im Bankdrücken lag bei 95 kg (ich fange gerade erst an). In dem Studio in dem ich Bankdrücken trainiere steht auch eine Maschine fürs Bankdrücken. Auf dieser Maschine konnte ich 100 kg (maximales Gewicht bei dem Gerät) problemlos 5 mal drücken. Ein Sportler, der nur auf dieser Maschine trainiert hat, wäre beim ersten Versuch mit der freien Langhantel so damit beschäftigt, die Hantel zu stabilisieren, dass er die Kraft, die er sich erarbeitet hat, nicht in vollem Umfang einsetzen könnte. Der gleiche Effekt würde auftreten, wenn jemand, der den Military Press mit einer Langhantel übt, versucht das gleiche Gewicht in Form von zwei, sich unabhängig voneinander bewegenden Kettlebells zu drücken. Somit ist der Military Press mit der Kettlebell funktionaler als der mit einer Langhantel, und das Bankdrücken mit der freien Hantel funktionaler als die gleiche Übung mit einer Maschine. Noch funktionaler wäre es mit unregelmässig geformten Objekten wie Steinen, Sandsäcken oder Waschmaschinen (s.u.) zu trainieren - allerdings steigt hier das Risiko überproportional an, so dass es nur für sehr fortgeschrittene Athleten zu empfehlen ist.

Wenn Du Dich also daran machst neues Trainingsprogramm zu evaluieren, stelle dir folgende Fragen:

  • Ist dabei ein Transfereffekt auf andere Aktivitäten zu erwarten?
  • Ist das Programm bei meinem derzeitigen Trainingszustand risikoarm?
  • Sind Möglichkeiten in das System integriert, die Intensität progressiv zu steigern?


Warum ist funktionales Training (k)eine neue Idee?

Zunächst will ich mich mit der Frage beschäftigen, was an dem Konzept funktional zu trainieren so neu ist. Die Antwort ist sehr einfach: Nichts! Lange bevor es Fitness-Studios mit chromblitzenden Maschinenparks gab, wurde Land auf, Land ab funktional trainiert - die armen Menschen damals hatten gar keine andere Wahl. Natürlich hat man in der "vor Maschinenpark" Zeit nicht von funktional gesprochen, da ja ohnehin jeder zwangsläufig funktional trainiert hat.

Historische Aufnahme einer Kettlebell (Quelle: wikicommons)

Der Irrweg der letzten Jahrzehnte: die Isolation.

Genau genommen ist es eine technische Glanztat unserer Zeit, Geräte zu erfinden mit denen man "nicht-funktional" trainieren kann. Das ist nämlich gar nicht so einfach, da unser Körper schlicht und ergreifend nicht so programmiert ist. Unser Körper ist ein ausgeklügeltes System, das dazu gedacht ist, uns in der realen Welt zurechtzufinden - und in der realen Welt erreichst Du nichts, in dem Du nur Deinen Bizeps benutzt (außer vielleicht im T-Shirt Mädels zu beeindrucken).
Für jede normale Aktivität, in der Dein Bizeps mitspielen darf, brauchst Du mindestens die Schultermuskulatur, die Unterarmmuskulatur, Deine Hände zum Greifen, den  Rumpf und meistens, wenn Du nicht gerade an einer Klimmzugstange hängst, die Beine um Dich gegen den Boden abzustützen.
Wie kam es dann überhaupt dazu, dass wir heute im Fitness Studio mit eine ganzen Batterien von hoch komplexen Maschinen konfrontiert werde deren Ziel die Isolation einzelner Muskeln ist? - Zwei Gründe:

Quelle: Flickr
  • Body Building: Dieser Leistungssport, mit dem Ziel, den menschlichen Körper nach einem bestimmten Idealbild (griechische Skulptur) zu formen, hat, seit Arnold Schwarzenegger als Conan der Barbar über die Leinwand flimmerte, die Fitnessindustrie stark beeinflusst.
    Dabei muß man allerdings wissen, dass es nicht zu den Zielen des Body Building gehört, gesunde Bewegung und allgemeine Athletik zu fördern - im Zeitalter der anabolen Steriode ist eher das Gegenteil der Fall. Warum sollte also ein Mensch, der weder an Body Building Wettkämpfen teilnehmen, noch sich für die nächste Verfilmung von Conan der Barbar qualifizieren will, nach den Trainingsprinzipien dieses hochspezialisierten Sports trainieren. Warum sollten diese Prinzipien überhaupt für jemandem funktionieren für den Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit die Trainingsziele sind.
  • Der zweite Grund ist, dass die Erfinder dieser Maschinen glauben, dass keine Ahnung hast: Von Vince Gironda, einem erfolgreichen  Body Builder und Personal Trainer (unter anderem von Arnold Schwarzenegger), stammt der Ausspruch "The more you know about exercise, the less complicated the equipment you need.". Gironda war sich also bewusst, dass es für jemanden, der bereit ist sich mit seinem Training auseinanderzusetzen, nicht nötig ist komplizierte Geräte zu verwenden. Trotzdem war er einer der ersten, der in seinem Fitness-Studio Trainingsmaschinen aufstellte und teilweise selbst erfand.  Damit könnte er seinen Kunden unterstellen, dass sie nicht bereit oder in der Lage wären zu lernen, was nötig ist, um sicher und effektiv zu trainieren. 

Die Schaukel schwingt in  beide Richtungen.

Nachdem in den letzten Jahrzehnten immer mehr auf Isolation gesetzt wurde, fanden die Opfer dieses Prozesses - die Benutzer der Geräte schließlich heraus, dass ihre Trainingsergebnisse bei dieser Trainingsform zu wünschen übrig ließen. Man machte sich auf die Suche nach Trainingsmöglichkeiten, die schnellere und bessere Ergebnisse versprachen und fand diese in althergebrachten Trainingsmethoden / Geräten wie der Langhantel oder der Kettlebell.
In meiner Kindheit habe ich mich beim Schulsport immer gefragt, warum jede Turnhalle mit haufenweise Medizinbällen ausgestattet ist - die ich nie jemanden benutzen habe sehen. Heute ist der Medizinball in der Functional Training Gemeinschaft wieder ein angesagtes Trainingsgerät.
Der Trend geht also zurück zu althergebrachten Mehrgelenks-Übungen bei denen der Körper als Einheit arbeiten muss.
Ich habe kürzlich den Film "Kraftakt" angeschaut in dem Patrik Baboumian, der stärkste Mann Deutschlands und Gewinner der deutschen Strongman-Meisterschaft, über sein Training spricht: Er bereitet sich auf seine Wettkämpfe auf einem Schrottplatz vor, wo er Disziplinen wie "Waschmaschinen werfen", "unhandliche Objekte aufheben und rumtragen" und so weiter trainiert.

Aber der XYZ* ist doch auch funktional!

*ersetze XYZ durch den Namen eines neu entwickelten Sportgeräts, dass in der Regel bunt ist, grössten teils aus Kunststoff besteht und irgendwo zwischen einigen hundert Gramm und ein paar Kilo wiegt. Praktisch nie findet man solche Geräte in Gewichten grösser als 20 kg (das Gewicht einer leeren Hantelstange). Der 
Grund für das geringe Gewicht und die damit fehlende Möglichkeit zu langfristig progressivem Training ist,
dass die Hersteller sich u.A. gegen Schadenersatzklagen übermotivierter Nutzern absichern.
Hier müssen wir nun anfangen zu unterscheiden: Für Lieschen Müller, die seit dem Schulabschluss keinen Sport mehr gemacht hast und deren sportlichen Ambitionen sich darauf beschränken, ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, ist XYZ sicherlich ein sinnvolles Programm, alternativ kann sie auch Teebeutel schwingen oder spazieren gehen. Jede dieser Aktivitäten wird, vorausgesetzt sie wird regelmäßig ausgeführt, ihre körperliche Verfassung verbessern. Natürlich könnte sie von einem fundierten Programm schneller und länger profitieren als von einem weniger durchdachten. Ich freue mich über jeden dem es gelingt einen aktiveren und damit gesünderen Lebensstil zu realisieren.

Solltes Du nicht dem Profil von Lieschen Müller entsprechen, solltest Du Dich Fragen, warum es Trainingsgeräte und Methoden gibt, die seit Jahrhunderten verwendet werden und sich in all der Zeit kaum verändert haben. Kettlebells wurden schon vor 300 Jahren schriftlich erwähnt, Geräte, die der heutigen Langhantel entsprechen, finden sich ebenfalls in historischen Abbildungen. Diese Methoden haben sich so lange Zeit erhalten, weil sie zuverlässig sind und Ergebnisse liefern. Das Training mit ihnen ist, wenn man bereit ist, sich grundlegend mir der Biomechanik unseres Körpers auseinanderzusetzen, einfach zu erlernen (aber niemals leicht) . 

Exkurs zum Thema spazieren gehen: 
Mein Vater, dieses Jahr 80 geworden und seit 7 Jahren an Demenz leidend, ist heute noch körperlich fitter als seine sämtlichen Wohnheim Genossen - sein Training? Lebenslang flotte Spaziergänge und Wanderungen. Mit 65 hat er sich noch einen Spaß daraus gemacht, seinen 20 Jahre jüngeren Tanzlehrer bei Wanderungen "alt" aussehen zu lassen.

Vorsicht bei "Functional Overkill"

Es finden sich immer wieder Zeitgenossen, die der Versuchung erliegen und durch besonders ausgeklügelte "funktionale" Übungen schnelle Ergebnisse erzielen wollen.
Anfang des Jahres, nach der Lektüre des Buches Deadlift Dynamite von Andy Bolton und Pavel, wollte ich ein wenig ins Langhantel-Training "reinschnuppern", also habe ich mich beim örtlichen Sportverein im Kraftraum angemeldet. Eines der ersten Erlebnisse, die ich dort hatte war, dass ich herein kam und einem erwachsenen Mann dabei zusah, wie er auf einen Gymnastikball kletterte. Ich war schon dabei mir die Notrufnummer zu vergegenwärtigen, da er sein Experiment umgeben von großen und harten Trainingsgeräten ausführte.Da gelang es ihm tatsächlich oben zu bleiben und einige angedeutete Kniebeugen auf dem Ball zu absolvieren. Als er sicher wieder auf dem Boden stand, wies ich in auf die verborgenen Risiken seines Tuns hin, was mit einem Schulterzucken kommentiert wurde.






Das Video zeigt nicht, das vom mir beschriebene Ereignis, veranschaulicht aber, glaube ich, was ich sagen will.
Als er sah, dass ich mich daran machte, die Stange für Kniebeugen zu beladen, meinte er, ich solle das mit dem Ball doch auch mal probieren: "Da schaffst Du gleich 10 kg mehr, weil Du gleichmäßiger drückst". Zu diesem Zeitpunkt sah meine Programm eine Steigerung des Trainingsgewichts von 2,5 kg pro Woche vor, was auch problemlos klappte. Ich wägte also die Aussicht auf ein Loch im Schädel gegen die 4-wöchige Zeitersparnis und lehnte dankend ab.

Gewöhne Dir an, bevor Du eine neue Übung oder ein neues Programm ausprobierst das Chance/Risiko Verhältnis kritisch abzuwägen - und gehe dabei eher konservativ vor. Jede Trainingsverletzung und sei sie noch so unbedeutend, kostet Dich Trainingsfortschritt.
Denke darüber nach, ob Du Dich (theoretisch) damit sicher fühlen würdest die jeweilige Übung mit schweren Gewichten auszuführen - wenn die Antwort kein uneingeschränktes "JA!" ist, ist Vorsicht geboten.



Also, lieber Leser...

Lasse Dich nicht von den Marketing-Versprechen oder pseudo-wissenschftlichen Erklärungen mit dem Stichwort "funktional" ködern. 
Historische Aufnahme einer Langhantel
(Quelle: wikicommons)
Jedes Gerät, das man braucht, um das physische Potenzial unseres Körpers auf natürliche weise auf die Spitze zu treiben, war um 1900 schon erfunden. 

Wenn jemand Dir erzählen will, dass es mit XYZ ohne Anstrengung möglich ist, ein Sixpack, breite Schultern, einen niedrigen Körperfettanteil oder was auch immer zu bekommen - glaube ihm kein Wort.

Für jedes erstrebenswerte Ziel im leben musst Du dich anstrengen!


Das Erfolgsrezept: 

  • Setze Dich mit dem Sport den Du ausübst / ausüben willst auseinander.
  • Suche Dir einen guten Trainer, der Dir die Grundzüge eines sicheren, effektiven Trainings beibringt.
  • Trainieren ausschließlich Ganzkörper-Übungen, die mehrere große Gelenke umfassen.  
  • Trainiere mit Verstand!
  • Trainieren hart!
  • Trainiere kontinuierlich!
  • Verzichte auf schnelle Erfolge und mache dafür viele kleine Schritte!
Ich kenne niemanden, der diese Regeln längere Zeit befolgt hat und nicht eindrucksvolle Trainingsergebnisse vorzuweisen hätte.

Die Teilnehmer meins Enter the Kettlebell Seminars kennen
nach 3 Stunden Intensivkurs die Grundlangen
für sicheres und langfristig erfolgreiches Training.



Sonntag, 14. Juli 2013

Do you Squat?

Die Kniebeuge ist vermutlich die meist unterschätzte Übung in den Studios dieser Welt, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Als Grundbewegungsmuster, das von der Anatomie des Homo Sapiens praktisch vorgegeben wird sollte man glaube dass die Kniebeuge die breite Bevölkerung nicht vor unlösbare Probleme stellt - weit gefehlt.

Das Problem mit dem Squat

Wenn ich eine Klasse unterrichte finde ich im Durchschnitt bei 20 % der Teilnehmer ordentliche Kniebeugen,  60 % akzeptable bis gerade noch akzeptable und 20 % völlig inakzeptable. Über Bewegungskonzepte wie Primal Move oder die Flexible Steel Frog Series lässt sich diese Verteilung in der Regel noch positiv beeinflussen.
In fast jeder Klasse ist aber jemand dabei der beim besten willen nicht in der Lage ist eine ordentliche Kniebeuge auszuführen.
Wir in Westeuropa machen es einfach zu selten. Es gibt praktisch keine Situation in der ein Westeuropäer im Alltag in  die Hocke geht.  Schon einige hundert Kilometer weiter südlich finden sich in der Keramikabteilung der meisten öffentlichen Gebäude Vorrichtungen die aufgrund ihrer Bauweise eine sichere Kniebeuge erforderlich machen. Im südlichen Amerika verbringen weis-nicht-wie-viele Millionen Menschen jeden Tag Stunden in dieser Haltung und betrachten es als Erholung.
Ein befreundeter Trainer erzählte mir dass er seine Teilnehmer eines Workshops in Korea, zu dessen Inhalten auch ein vorsichtiges herantasten an die Kniebeuge gehören sollte, alle samt in der Hocke vorfand während sie Ihre Registrierungsformulare ausfüllten. Bei genau einer Teilnehmerin, die (zu seinem Glück) lange Zeit im Westen verbracht hatte konnte er seine Methoden anwenden.

Wie soll er den nun aussehen der Squat?

Ganz ordentlich für einen Autodidakten ;-)
Bei einer sauberen Kniebeuge ist:
  • Der ganze Fuß auf dem Boden.
  • Das Gewicht auf der Ferse.
  • Die Unterschenkel sind ziemlich senkrecht, die Knie ragen nicht über die Zehen heraus.
  • Der Rücken ist gerade (Brust Raus).
  • Die Hüfte tiefer als die Knie.
Im Training werde ich häufig gefragt "Ja aber die Fersen dürfen schon hochkommen, oder?" 
Nein, keinesfalls! Sobald die Fersen den Boden verlassen wird aus einer stabilen Situation an der nur die beiden stärksten Gelenken beteiligt sind (Knie und Hüfte) eine komplexe, unstabile und somit riskante Angelegenheit.
Es gibt Variante der Kniebeuge die sich genau diese erhöhte Komplexität zunutze machen (Hindi Squat), diese sind aber Ausnahmen und werden nie mit zusätzlichem Gewicht trainiert.

Wie tief denn nun?

Es gibt starke Unsicherheiten wie tief man denn eigentlich in die Kniebeuge gehen sollte. In den 1960ern gab es eine Studien zu dem Thema deren Ergebnisse so interpretiert wurden dass Kniebeugen die tiefer als 90° Knie-winkel sind schädlich seien. Ich habe die eigentliche Studie bisher noch nicht auftreiben können, weiss aber aus unterrichteten Kreisen das sie völlig falsch verstanden wurde. Unglücklicher weise hat genau diese falsch verstandene Studie es ins Volksgedächtnis geschafft.
Für eine Kniebeugen ohne zusätzliches Gewicht gibt es keinen Grund nicht so tief zu gehen wie möglich. Nach dem "Use it or loose it"- Prinzip ist es sogar wünschenswert die maximal mögliche Range of Motion auszunutzen.
Für Kniebeugen mit Zusatzgewicht gilt nur so tief gehen dass die Wirbelsäule ihre natürliche S-Kurve nicht verliert. ABER ACHTUNG: sollte das bei Dir passieren bevor die Oberseite der Oberschenkel an der Hüfte tiefer ist als die Oberseite Deiner Knie (=Definition für Kniebeuge von unterhalb paralell) dann bist Du noch nicht bereit für eine belastete Kniebeuge. Übe, wie oben beschrieben, weiter bis Du die nötige Beweglichkeit hast.
Gilt übrigens nicht für die Pistol - da darf der Rücken rund werden.

Was kommt denn dabei rüber?

Der zweite Aspekt der Kniebeuge der regelmäßig unterschätzt wird ist wie viel beweglicher und kräftiger man mit dieser Übung werden kann.

Beweglichkeit verbessern

Die Beweglichkeit der Hüfte lässt sich durch richtige Kniebeugen (mit leichtem Gewicht) hervorragend verbessern. Im Hardstyle Kettlebell Training nutzen wir dafür eine Variante die sich Goblet Squat nennt: Die Kettlebell wird an den Hörnern vor die Brust gehalten und dient als Gegengewicht um sich besser in die Hocke hineinziehen zu können. Dabei kann man die Knie mit den Ellenbogen nach aussen drücken und durch kleine kreisende Bewegungen das Hüftgelenk lockern. Ausserdem wird bei korrekter Ausführung (kein Chicken Neck / Brust raus) die Brustwirbelsäule mobilisert, was allen möglichen Beschwerden wir Spannungskopfschmerzen, Nackenverspannungen uvm. positiv beeinflussen kann.


Power von unten heraus

Was Kraft angeht sieht es sehr änlich aus: Der Laie hält die Kniebeuge in erster Linie für eine Beinübung. Es ist zwar richtig dass der Schwerpunkt auf den unteren Extremitäten liegt, aber es handelt sich trozdem um eine Mehrgelenks Ganzkörper Übung die ihres gleichen sucht. Die Bauch und Rückenmuskeln werden massiv belastet und entsprechend entwickelt. Je nach dem welche Variante man sich aussucht lässt ich das Belastungsmuster den eigenen Trainingszielen entsprechend anpassen. Ausserdem ist die Kraft die ein Sportler sich mit der Kniebeuge erarbeitet höchst funktional, will meinen in andern nicht explizit geübten Bereichen anwendbar. So wird die Sprungkraft massiv verbessert und Dein Fundament für praktisch jede Anwendung im stehen gestärkt.

Ja aber Kettlebells sind doch viel zu leicht...

Wer das denkt ist in guter Gesellschaft, da auch heutige Senior RKC diesem Irrtum einst erlegen sind, liegt aber trozdem falsch! Die Variante mit der Kettlebell ist ein Front Squat also eine Kniebeuge bei der das Gewicht vor dem Körper gehalten wird. Im Falle der Kettlebell im Rack ist das Gewicht sogar noch weiter vorne als beim Frontsquat mit der Langhantel. Diese Variation erlaubt bei weitem keine so grossen Gewichte wie die weltweit beliebteteste Variante der sogenannte Back Squat (Langhantel auf dem Rücken). Zum Vergleich: Für den Backsquat (wenn ich ihn denn mal trainieren) nutze ich 80 kg zum aufwärmen für mehrere 5er Sätze bevor ich zum eigentlichen Training übergehe mit der Kettlebell entspricht 80 kg, also zwei 40 kg Kugeln ziemlich genau meinem Persönlichen Rekord den ich nicht ohne Hilfestellung von einem Trainingspartner wiederholen möchte.
Es stimmt schon dass Du für die Kniebeuge, weil es sich um eine langsame Kraftübung (Grind) handelt, etwas grössere Kugeln brauchst wie für ballisitische Übungen aber auch 2*24 für 5 Sätze a 5 Wiederholungen werden Deinen Oberschenkeln einiges zum nachdenken geben.

Noch nicht zufrieden?

dann versuch Dich mal am sogenannten Pistol Squat, der einbeinigen Kniebeuge (Schreib mir wenn Du ihn mit zwei 40 kg Kettlebells im Rack schaffst und ich lade Dich zu essen ein ;-).




Freitag, 5. Juli 2013

Triggerpunkte selbst Behandeln - SMR für Dummies

Triggerpunkte sind Verspannungszonen in der Muskulatur. Durch lokale Überlastungen verliert ein Bereich im Muskel seine Fähigkeit los zu lassen. Diese Anspannungen sind nicht zu vergleichen mit einem Muskelkrampf, in der Regel spürt man sie kaum - nur als Verhärtung im entspannten Muskel.
Leider haben solche Triggerpunkte häufig weitreichende Folgen. So kann ein Triggerpunkt in der Wade zu schmerzen in weit entfernten Körperregionen (wie z.B. Schultern oder Hüfte) entlang der gleichen Faszienbahn führen. Bei lokaler Betrachtung solcher Schmerzsituationen wird dann meist keine Ursache gefunden und rein symptomatisch behandelt.

Wenn Du:
A: Sportler bist und sicherstellen willst dass Du nicht (wie ich) über Jahre mit angezogener Handbremse unterwegs bist...
B: Muskel oder Gelenkbeschwerden hast für die noch keine Ursachen gefunden wurden..
Auf dem CK-FMS Kurs in Minneapolis

Dann ist dieser Artikel für Dich interessant und Du solltest weiterlesen!



Pawels Buch auf Deutsch

Enter The Kettlebell! Das orig. Dragon Door Buch in DEUTSCH
Übersetzung von mir persönlich überarbeitet.


Enter The Kettlebell! Das orig. Dragon Door Buch in DEUTSCH



Easy Strength von Pavel und Dan John




The RKC Book of Strength and Conditioning

Unsere Workshops



Enter the Kettlebell Seminar

Zum Workshop...

Naked Warrior Workshop

Zum Workshop...


RKC Big Six Workshops:

Zu den Workshops...


Florian Kiendl RKC CK-FMS. Powered by Blogger.