Montag, 15. September 2014

Der RKC Unterschied


Vor genau zwei Jahren im August 2012 ging ein Aufruhr durch die RKC Community: Pavel Tsatsouline hatte über Facebook verlauten lassen, dass er die RKC auflösen möchte, um seine Vision anders wo zu verwirklichen.  Rückblickend denke ich,  es war gut, dass Pavel der RKC den Rücken gekehrt hat - es hat den Weg für die Weiterentwicklung der Gemeinschaft geebnet.
Mittlerweile ist viel passiert und die RKC hat sich enorm weiter entwickelt.
Heute haben wir mehr Instruktoren und mehr Workshops als je zuvor. Die leitenden Instruktoren kommen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und die vermittelten Inhalten sind offener und besser strukturiert. Auch in Deutschland ist die RKC jetzt richtig angekommen: dieses Jahr findet die erste Level II Zertifizierung auf deutschem Boden statt und 2015 werden wir erstmals 2 Level I Zertifizierungen abhalten können. Es war ein langer Weg zu diesem Punkt und ich bin froh daran beteiligt gewesen zu sein.

Weiterlesen auf http://blog.kettlebellgermany.de/der-rkc-unterschied/


Mittwoch, 10. September 2014

Lehren aus dem RKC Snatchtest

Der RKC Snatchtest ist in den Augen der meisten Kandidaten die grösste Hürde, wenn es darum geht, das begehrte Kettlebell-Trainer-Zertifikat zu bekommen. Innerhalb der RKC wird der Snatchtest immer wieder kontorvers diskutiert, da er nur schwer mit unserer Trainingphilosophie zu vereinbaren ist. Kaum einer, der hundert Snatches am Stück macht, kann bis zum Schluss eine saubere und knackige Hardstyle Technik halten.
Ich persönlich habe mich mittlerweile damit arrangiert und glaube man kann sowohl in der Vorbereitung dafür als auch beim eigentlichen Test eine Menge lernen.

Zum Hauptargument der Snatchtest-Kritiker, der Verletzungsgefahr durch die enorme Intensität des Tests (ja, der erste ist für fast jeden ein erschütterndes Erlebnis): Wer glaubt einen RKC Snatchtest einfach so aus dem Ärmel schütteln zu können, der bringt sich in der Tat in akute Gefahr. Wer sich aber - wie es gedacht ist - mit einem gut strukturierten Programm gezielt darauf vorbereitet hat, der hat dabei auch kein grösseres Risiko wie bei jedem anderen Sport.
Die Zahl der Verletzten auf RKC Zertifizierungskursen ist nach wie vor erstaunlich niedrig, wenn man bedenkt, dass die Kandidaten über volle drei Tage mit Kettlebells trainieren. In der Regel sind es, wenn überhaupt nur Kleinigkeiten und kaum ein Kandidat kann verletzungsbedingt den Workshop nicht beenden. Bei jedem Volkslauf passiert mehr.


Was Du aus der Vorbereitung lernen kannst

Mein favorisiertes Vorbereitungsprogramm habe ich in dem Artikel
Der RKC Snatch Test und wie man ihn besteht ausführlich beschrieben. Es gibt selbstverständlich noch andere Methoden. Häufig wird empfohlen sich zunächst an das Volumen (die 100 Snatches + 10 % mit dem gegebenen Gewicht) zu gewöhnen und dann nach und nach die Pausen zu reduzieren. Obwohl dieser Ansatz zweifelsohne funktioniert, gefällt er mir nicht so gut, da er gegen Ende der Vorbereitung hohe Belastungen und damit lange Erholungszeiten mit sich bringt.

Wichtig für eine erfolgreiche Vorbereitung für den Snatchtest ist:

  • Rechtzeitig anfangen.
  • Eine strukturierte Vorgehensweise.
  • Realistische Einschätzung der Ausgangssituation.
  • Konsistentes Training mit sinnvoller Progression.
  • Eine sichere Technik.
Wenn Du jetzt denkst: "klar, aber das gilt doch für jedes Training!" - dann hast Du sowas von recht!
Mit anderen Worten: wer den RKC Snatchtest sicher bestehen will, muss genau diese fünf Punkte kennen und anwenden. Sie sind allgemein gültig und lassen sich auf jedes Ergebnis orientierte Training übertragen. Bei den wenigen Mutanten, die den Test ohne jegliche Vorbereitung bestehen, können wir, glaube ich, getrost davon ausgehen, dass sie sich diese Erkenntnisse schon anderweitig erarbeitet haben.


Was Du beim Snatchtest lernen kannst

Der Test selbst ist, obwohl ja nur 5 Minuten lang, eine ziemlich intensive Erfahrung - besonders die ersten male. Betrachten wir es mal objektiv: Es geht darum in 5 Minuten 100 Snatches mit (bei mir) 24 kg zu machen. Das sind 20 Snatches in der Minute fünf mal hintereinander. Es ist kein Wettbewerb - keiner bekommt etwas dafür der schnellste zu sein, abgesehen davon, dass man es schneller hinter sich hat. Das ist wirklich nicht die Welt - es ist machbar (ich habe nicht leicht gesagt). Ich konnte bisher nur zwei Ursachen identifizieren, die es den Kandidaten richtig schwer bis unmöglich machen den Test zu bestehen:
  1. Mangelnde Vorbereitung.
  2. Zu viel Kopfkino. 
Wer ohne umfassende Vorbereitung einen Snatchtest macht, ist selbst Schuld. Meine Coaching Kunden machen ihre Tests in der Regel ohne großes Aufhebens nach meist ca. 3 Monaten Vorbereitung - dank dieser wissen sie schon vor dem Test, dass es klappen wird.
Wer die Arbeit für die Vorbereitung gemacht hat und trotzdem noch Nerven flattern bekommt, wenn er nur an den Test denkt, bei dem ist etwas anderes schief gelaufen. In der Regel sind das Kandidaten, die es während der Vorbereitung nicht lassen konnten, immer wieder zu testen, ob es immer noch, schon oder wieder klappt. Dadurch haben sie so viele nicht erfolgreiche Versuche angesammelt, das sie sich unterbewusst davon überzeugt haben, dass es gar nicht klappen kann. Falls Du, lieber Leser, zu diesen Spezialisten gehörst, hast Du zwei Möglichkeiten:
  • Wenn Deine Vorbereitung noch läuft und Du noch genug Zeit hast, dann starte Dein Programm nochmal von vorne - und mach "Generalproben" nur wenn
    A. eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass es klappt,
    B. Du ausgeruht bist und dich fit fühlst.
  • Wenn Du Deine Vorbereitung schon abgeschlossen hast (oder es auf dem RKC doch nicht geklappt hat und Du nachliefern musst), dann ist es wichtig Dir klar zu machen, dass es eigentlich keine große Sache ist. Nimm Dir 10 Minuten Zeit und mach 100 Snatches - ja das ist die doppelte Zeit - aber Du hast das gleiche Volumen gemacht. Tu alles dafür, dass Dein Oberbedenkenträger, der jedes mal Alarm schlägt, wenn Du eine Snatch size Kettlebell siehst, sich wieder beruhigt.
    Und dann nimm die Kugel und zieh es durch. Ab dem ersten Snatch denkst Du ausschließlich und konzentriert an Deine Technik. Am besten zählst Du gar nicht erst mit - lass das einen Trainingspartner machen. Fokussiere auf perfekte Technik bei jeder Wiederholung - nur das kann Dir bei Test helfen. Wie viele Snatches Du schon gemacht hast, ist Vergangenheit, wie viele noch kommen ist Zukunft, beides kannst Du nicht beeinflussen - das einzige was Du beeinflussen kannst ist die Wiederholung, die Du gerade machst. Das klingt nach Zen - und bis zu einem gewissen Grad ist es das auch. Es geht darum den Geist zu beherrschen und ihn dazu einzusetzen die Aufgabe zu erfüllen.
Manche glauben der Snatch Test ist so etwas wie der Erste Hilfe Kurs beim Führerschein - einmal durchmachen und alles wieder vergessen. Diese Einstellung rächt sich aber spätestens bei der nächsten Rezertifizierung (Alle RKC Instruktoren müssen alle paar Jahre die Tests wiederholen). Jeder RKC sollte jederzeit in der Lage sein, einen Snatchtest zu machen, unabhängig von der Tagesform.
Wem es also gelingt den Snatchtest nicht nur zu bestehen, sondern auch zu meistern - der hat sich Qualitäten erarbeitet, die sich in viele Lebenslagen anwenden lassen.
Viel Spass beim Snatchen.




Donnerstag, 14. August 2014

Basisübungen die in keinem Programm fehlen dürfen

Es gibt eine Hand voll Übungen oder besser Übungskategorien, die in keinem Trainingsplan fehlen sollten. Keine Angst - nichts dabei wofür man eine der teuren Maschinen bräuchte, die in den meisten Fitness Studios stehen.


Der Klimmzug - liebe ihn oder hasse ihn - aber mach ihn.

Es handelt sich auch nicht um ganz besondere, kaum bekannte und höchst geheime Übungen - 
ganz im Gegenteil - es geht um die Klassiker die jeder kennt:

  • Klimmzüge: alles an der Stange - Klimmzug, Muscle Up, Leg Raise, Levers etc.
  • Front- und Überkopfdrücken: Liegestütze, Military Press oder Bankdrücken.
  • Kreuzheben: Kettlebell Swing, Clean und Snatch oder klassisch mit der Langhantel.
  • Kniebeuge: Goblet Squat, Front Squat, Back Squat oder Pistol.



Viele, mit denen ich spreche, meiden mindestens eine dieser Übungen oder sagen mir, dass sie sie nicht ausführen können. Die Begründungen dafür sind entweder "das konnte ich noch nie" oder "das ist schlecht für... (meistens Rücken)"  - beide sind zu kurz gedacht.

Warum handelt es sich um Basisübungen?

Der Grund ist einfach: es sind alles grundlegende Bewegungsmuster, die mit zusätzlichem Widerstand ausgeführt werden. Fitness, so wie ich sie verstehe, ist die gezielte Vorbereitung des Körpers (und auch des Geistes) auf was auch immer das Leben uns bringt. Um dieses Ziel bestmöglich zu erreichen müssen wir beim kleinsten gemeinsamen Nenner ansetzen, bei den Bewegungen, die direkt von unseren menschlichen Physiognomie vorgegeben sind. Wer bei allen diesen Bewegungsmustern eine soliden  Kraftreserve hat, der kann es getrost mal drauf ankommen lassen. Auch bei beliebigen sportlichen Aktivitäten wird er auf relativ hohem Niveau mitspielen können - ganz ohne Spezialtraining. Die meisten Sportler verlassen sich darauf, dass ihre Disziplin Ihnen schon das physische Handwerkszeug liefern wird - aber selbst wenn dieser Plan aufgeht, haben sie immer noch keine Reserve.


Swing oder Kreuzheben - darf in keinem Programm fehlen.

Moderne Alternativen

Die Fitness Industrie hat uns mit einer Reihe von Alternativen zu den Klassikern ausgestattet - leider kann man die ziemlich alle durch die Bank vergessen. Es gibt Spezial-Anwendungen wie bei Rehabilitation oder als Ergänzung im Spitzensport, aber das sind wenige Ausnahmen. Selbst wenn Du den ganzen Scheibenstapel am Lat-Zug schaffst, ist es fraglich, ob Du es Dir Zweifelsfall gelingt, Dich über eine Mauer zu ziehen. 400 kg auf der Beinpresse sind noch lange kein Garant für gute Springkraft - eine 200 kg Kniebeuge schon. Das sind nur zwei Beispiele wo die "modernisierten" Alternativen hinter den Klassikern zurückbleiben.

Woran liegt es denn dann das so viele doch auf die Basis verzichten?

Ganz einfach: Die Basics zeigen Dir genau wo der Hammer hängt. Wenn Du keine ordentliche Liegestütze schaffst, hast Du noch nicht gelernt Deinen Rumpf richtig zu stabilisieren. Der Klimmzug klappt nicht - das heisst mehr üben. Kreutzheben ist schlecht für Deinen Rücken? - dann machst Du es falsch. Du kommst bei der Kniebeuge nicht unter 90 Grad - mobilisiere Deine Hüfte, dann sprechen wir weiter. 
Bei einer vermeintlich einfachen Übung an seine Grenzen zu kommen ist natürlich nicht immer eine schöne Erfahrung. Wer darum aber gänzlich auf die entsprechenden Übungen verzichtet aber auf die Chance genau diese Grenzen mit der Zeit auszudehnen.
Leider gehen auch viele der Propaganda der Fitness-Industrie auf den Leim. Beintraining ohne den Lumbalbereich zu belasten Dank der Beinpresse - klingt doch super oder? Nun die meisten der fünf Klassiker belasten den unteren Rücken - rate mal welche Muskulatur brutal stark sein sollte... 


Muss ich die 4 immer trainieren?

Nein, aber sie sollten nie über einen längeren Zeitraum in Deinem Programm fehlen. Zum Teil gibt es Wechselwirkungen, die erlauben eine Übung eine Zeit lang durch einer anderen zu ersetzen. So trainiert Kreuzheben zwar ein komplett anderes Muster als die Kniebeuge, aber im wesentlichen die gleichen Muskelgruppen. Front drücken und stehendes Drücken ergänzt sich ebenfalls bis zu einem gewissen Grad, so dass bei einem Zyklus Bankdrücken die stehenden Presses zurückgefahren werden können und umgekehrt.



Montag, 4. August 2014

Hypertrophie - Training mit der Kettlebell

Die Gemeinschaft der Kettlebeller teilt sich in Deutschland derzeit noch in drei Gruppen:
Die Hardstyler, die Gireviks und Crossfitter. Alle diese Gruppen haben eines gemeinsam: Ihr Trainingsfokus liegt auf Leistungssteigerung. Das genaue Ziele unterscheiden sich zwar - bei uns Hardstylern geht es hauptsächlich um eine Steigerung der allgemeinen athletischen Leistungsfähigkeit (GPP) während Girevoysport und Crossfit wettbewerbsorientiert trainieren.
Mit diesen Zielsetzungen bilden die Kettlebeller aber nach wie vor eine Ausnahme in der grossen bunten Fitness-Welt: Ein überwiegender Teil der Fitness-Gemeinde hat nach wie vor die grossen Drei: Gesundheit, Fettverbrennung und Muskelaufbau zum Ziel.

Kettlebells zum Muskelaufbau?


Jeder, der die Kettlebell ausprobiert, merkt schnell, dass das Training sowohl seine Gesundheit verbessert und es sich auch gut dazu eignet überschüssige Fett-Pölsterchen schmelzen zu lassen. Das sich mit der Kettlebell außerdem in geradezu schwindelerregendem Tempo Muskeln aufbauen lassen, hat sich allerdings noch nicht herum gesprochen.
Es geht sogar so gut, dass ich bei der Vorbereitung auf meinen ersten RKC Workshop in wenigen Monaten unbeabsichtigt 5 kg Muskeln zugelegt habe, wobei mein Gewicht praktisch gleich blieb. Warum unbeabsichtigt? - weil Muskelaufbau nie zu meinen Trainingszielen gezählt hat. Als Tae Kwon Do Sportler mit 183 und durchschnittlich 85 kg Kampfgewicht brauche ich mehr Muskelmasse am Oberkörper etwa so dringend wie ein drittes Bein.
Dieser kleine "Unfall" passierte, ohne dass mein Training gezielt darauf abgestellt gewesen wäre - und ohne begleitende Ernährungsumstellung, nur weil mein Programm zufällig einige Charakteristika eines guten Muskelaufbau Programms aufwies.


Enter the Double Kettlebell Drills

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Samstag, 26. Juli 2014

5 narrensichere Methoden eine solide mentale Barriere aufzubauen

Viele Sportler experimentieren mit mentalen Barrieren herum, nur wenigen Glücklichen gelingt es, diese dauerhaft zu installieren. Wie Du Deinen persönlichen Weg zu einer soliden mentalen Barriere findest, erkläre ich Dir in diesem Artikel.

Mentale Barrieren - wofür sind sie eigentlich gut?

Das Konzept seinen Trainings-Alltag unter Zuhilfenahme einer schönen mentalen Blockade über Jahre im voraus vorhersehbar zu machen, ist nicht neu und wird von vielen mit mehr oder weniger großem Erfolg angewandt. Aber nur wem es gelingt diese Blockade wirklich felsenfest einzuzementieren, der kann sicher sein, sich nicht mit so lästigen Sachen wie neue Trainingsprogrammen, steigende Gewichten oder anspruchsvollere Übungen beschäftigen zu müssen. Wer sich geschickt mental blockiert, kann dauerhaft immer auf dem gleichen lieb gewordenen, körperlichen Niveau vor sich hin trainieren, muss nichts neues lernen und vermeidet jegliche ernst zunehmende Herausforderung in seinem Training.
Da wir ja alle Individuen sind, muss jeder die Wege finden, die seinem Charakter am besten entsprechen. Nicht bei jedem wird jede Methode den gleichen Erfolg bringen, so wird der ständige Zweifler mit Methode 1 "Keine Zweifel" sicher nicht glücklich, da sie einfach nicht seinem Charakterprofil entspricht. Dafür wird er sich bei Methode 2 sofort wohlfühlen und beste Ergebnisse erreichen.

Methode 1: Keine Zweifel

Jedes körperliche Training ist ein Prozess mit Höhen und Tiefen - diese sind schon allein der jeweiligen Tagesform geschuldet. Wer Methode 1 erfolgreich anwenden will, der ist gut beraten vor allem die Tiefen geflissentlich zu ignorieren, keinesfalls darf wegen ein paar schlechten Trainingswochen das althergebrachte Trainingsprogramm in Zweifel gezogen werden.
Auch Einmischungen von außen, wie die gut gemeinten Ratschläge von anderen (die ja eh nicht wissen von was sie reden) müssen strickt überhört werden. Um solche störenden Fremdeinflüsse auf ein Minimum zu reduzieren beachte folgende Regeln:

  • suche Dir das billigste Studio am Ort, nur da kannst Du sicher sein, dass jeder Trainer so viele Kunden zu betreuen hat, dass er keine Zeit hat Dir in Dein Training reinzureden. Das Geld, das Du Dir sparst, kannst Du später für Physiotherapeuten ausgeben - aber auch hier gilt: nicht hinhören was sie sagen!
  • Stecke Dir im Training immer einen iPod ins Ohr und schaue grantig - das verhindert, dass Du ständig angequatscht wirst.
  • Alternativ dazu kannst Du auch jedem den Du triffst genau erklären, wie er selbst zu trainieren hat - damit zeigst Du deine Expertise und machst klar, dass Du weißt was Du tust.
  • Wenn alles nicht hilft, ist es empfehlenswert auf Einmischungen in Dein Training möglichst ablehnend zu reagieren - "Danke - aber ich trainiere so wie ich das will!" hat sich hier bewährt.

Methode 2: Zweifele an allem

Wem es nicht liegt alle aufkommenden Zweifel im Keim zu ersticken, der kann seine diesbezügliche Schwäche in eine Stärke ummünzen. Diese Methode ist etwas aufwändiger in der Umsetzung, da sie dauernde Änderungen am eigenen Trainingsprogramm erforderlich macht, aber wenn man sich mal daran gewöhnt hat, wird man feststellen, dass all diese Veränderungen ja nur kleine Variationen des immer gleichen Themas sind.
Bei dieser Variante ist es angebraucht sich so viele verschiedene Meinungen wie möglich zu holen. Youtube hat sich hier bewährt, da man oft schon in wenigen Minuten mehrere komplett unterschiedliche Meinungen von weltberühmten (die haben schließlich einen youtube-Kanal) Fachleuten hören kann. Das Internet ist hier auch darum immer eine gute Quelle, da man immer nur Teilinformationen bekommt, nicht wie bei einem qualifizierten Trainer, der einem im direkten Kontakt am Ende noch ein stimmiges Gesamtbild seiner Trainingsmethode aufzwingen will.
Besonders abraten muss ich in diesem Zusammenhang von Personal Trainern. Es ist schwierig bei einem so engen Kontakt mit dem Trainer seine Unsicherheiten bezüglich der besten Trainingsmethode aufrecht zu erhalten - und das kann zu ungewolltem Fortschritt führen.

Je mehr Ideen und Konzepte Du berücksichtigst und ausprobierst, um so besser.

Methode 3: Mit dem Kopf gegen die Wand

Einen ganz anderen Weg als die oben beschrieben geht die Methode " Mit dem Kopf gegen die Wand". Der große Vorteil dieser Methode ist, dass sie die Blockade praktisch auf Ebene des Nervensystems installiert - selbst massiven Interventionen (z.B. durch einen Trainer) können hier oft nichts ausrichten.
Die Methode ist einfach, wenn Du die folgenden Regeln befolgst:

  • Arbeite immer an Deinem absoluten Limit! 
  • Leichtere Gewichte oder einfachere Übungen sind unter Deinem Niveau und strikt abzulehnen!
  • Arbeite nicht in Deinem kompletten Bewegungsradius, sondern reduziere diesen so weit wie möglich - dadurch kannst Du mit noch grösseren Gewichten arbeiten.

Eine leichtere Kettlebell? - Du Memme!


Methode 4: Mehr ist noch mehr

Solltest Du trotz gewissenhafter Befolgung der drei Regeln mit Methode 3 immer noch Fortschritte machen, dann empfiehlt es sich regelmäßig mit noch grösseren Gewichten zu arbeiten. Versuche mindestens einmal wöchentlich ein so hohes Gewicht oder eine so schwierige Übung, dass Du sicher sein kannst, dass es nicht klappt. Das wird dein Unterbewusstsein restlos davon überzeugen, dass es einfach nicht möglich ist, weitere Fortschritte zu machen und das Du Dein physisches Potential voll ausgeschöpft hast.


Methode 5: Starres Eigenbild

Diese Methode erfordert ein gutes Vorstellungsvermögen und die Bereitschaft nicht ins Bild passende Fakten strikt zu ignorieren. Um sie anwenden zu können, musst Du Dir zunächst das passende Selbstbild ausdenken und dieses dann durch stetige Wiederholung in Deinem Unterbewusstsein verankern. Gut funktionierende Beispiele sind: "Ich bin schwach!", "Ich bin dick!" oder "ich bin unsportlich!". Hast Du das richtige Eigen-urteil gefällt, sage es Dir so oft wie möglich selbst vor. Teile es ebenfalls so viele anderen wie möglich mit - wenn es Dir gelingt deren Meinung über Dich entsprechend zu beeinflussen, machen sie es Dir durch ihr Verhalten sogar noch leichter Deine Barrieren zu verfestigen.
Vorsichtige solltest Du mit esoterischen Spinnereien wie: "Jeder hat einen freien Willen" oder "Wo ein Wille da ist auch ein Weg" sein - Menschen die solchen Unfug von sich geben versuchen häufig ihre Umwelt zu "verbessern" und das würde nur zu unnötigen Verwirrungen führen.
"Du kannst mehr als Du Denkst?" - lass dir sowas bloß nicht ausreden!


Wer eine oder mehrere der oben aufgeführten Methoden gewissenhaft anwendet, kann sich bald über eine überaus solide mentale Barriere freuen, die ihn vor jeglichen ungewollten Herausforderungen oder unbequemen Veränderungen schützt. Ein bisschen Mühe muss man natürlich darauf verwenden, störenden Fremd-Einflüssen zu entgehen - aber wenn man sich die entsprechenden Verhaltensweisen erst einmal angewöhnt hat ist es relativ leicht diese zu vermeiden.

Falls es bisher noch nicht augenfällig ist: Ich persönlich versuche immer KEINE dieser Methoden anzuwenden. Viel erfolg dabei!


Mittwoch, 16. Juli 2014

Warum ich den Burpee nicht (mehr) mag

Viele lieben den Burpee - darum gehe ich davon aus, dass dieser Artikel die eine oder andere Kontroverse auslösen wird. Das ist OK, denn ein Austausch ist immer eine gute Sache. Auf den ersten Blick hat die Übung ja auch viele Vorteile: es ist kein Equipment nötig, viele Muskelgruppen werden gleichzeitig angesprochen, wichtige Muster wie Kniebeuge und Liegestütz werden trainiert und es entsteht starke cardio-vaskuläre Belastung. Klingt doch traumhaft - oder?
Trotzdem ist der Burpee eine Übung, die Du in meinem Training nur äußerst selten sehen wirst. Warum zeigt ein Blick auf die Feinheiten und diesen will ich in diesem Artikel mit Euch teilen.

Mein Burpee Erlebnis

Kennengelernt habe ich die Übung gleichzeitig mit der Kettlebell durch den sogenannten Burpee Test. Robert Rimoczi lies uns diesen zu beginn seines Anfängerkurses absolvieren, um zu sehen mit wem er es zu tun hat und um festzustellen zu können wie viel fitter wir durch seinen Kurs wurden.
Der Burpee Test ist denkbar einfach:
Stell einen Timer auf 3 Minuten und mach so viele Burpees wie Du schaffst (zählen nicht vergessen). Die meisten, die ich bei diesem Test beobachtet habe, haben beim ersten mal Schwierigkeiten 3 Minuten kontinuerlich Burpees zu machen und landen irgendwo zwischen 30 und 40 Wiederholungen. Wenn die Gefahr besteht unter 30 zu bleiben, dann lieber noch etwas trainieren vor dem ersten Test. Gehörst Du zu den wenigen die zwischen 50 und 60 Reps landen, kannst Du Dir durchaus schon etwas darauf einbilden. Es sollten natürlich immer saubere Burpees mit kompletter Range of Motion sein. Die Elite schafft über 60.
ACHTUNG: Dies ist ein Test kein Trainingsprogramm - so etwas kann man einmal alle 6 Wochen einbauen, um seinen Fortschritt zu messen aber nicht öfter.
Nach diesem recht intensiven Erstkontakt fand ich die Übung erst mal ziemlich toll. Die in der Einleitung genannten Vorteile überzeugten mich, dass es eine gute Idee ist den Burpee regelmäßig ins Training einzubauen.

Der Burpee wird seziert

Mittlerweile ist meine Meinung zum Burpee etwas differenzierter. 
Lasst uns die Übung einmal auseinander nehmen und uns mal mit den Feinheiten auseinandersetzen. Meiner Meinung nach liegt hier der Teufel nämlich im Detail.
Mein Freund skinny Piet war so freundlich Modell zu stehen (er ist ein echter Hard-Gainer aber seine Burpees sind super ;-):



Schritt 1: ist eine negative Kniebeuge. Für sich gesehen eine hervorragende und unproblematische Übung, auch wenn jeder Trainer weiß, dass durchaus nicht jeder die nötige Mobilität hat, um sie sauber auszuführen. Auf den ersten Blick ist nicht viel Kraft dafür nötig, wenn man aber berücksichtigt dass der Burpee meist relativ schnell und mit vielen Wiederholungen ausgeführt wird, sollte schon eine ordentliche Rumpfstabilität dafür vorhanden sein. Außerdem besteht bei schneller Ausführung die Gefahr, dass das Becken abkippt und so den unteren Rücken gefährdet. Bei normalen Kniebeugen ohne zusätzliches Gewicht ist das zwar kein großes Problem, wegen der anschließenden Sprungbewegung in den Stütz finde ich es aber bedenklich.



Schritt 2: hier kommen wir aus der Hocke und springen nach hinten in den Stütz. Auch bei dieser Bewegung sehe ich häufig, dass sie aufgrund von fehlender Mobilität nicht sauber ausgeführt werden kann und die Hüfte zu weit nach oben ausweicht. Außerdem sagt uns die simple Physik, dass ein starrer Körper (=Deiner), der an beiden Enden (=Hände und Füße) auftrifft genau in der Mitte die stärkste Belastung abbekommt. Der empfindlichste Punkt in diesem Bereich ist wiederum der untere Rücken. Dieses Risiko lässt sich minimieren, indem man den Gluteus (und im Idealfall auch den Lat) vor dem Auftreffen der Beine auf dem Boden intensiv anspannt.


Schritt 3: für sich gesehen eine unkritische Übung, die allerdings durch möglichen Rest-Schwung aus dem vorhergehenden Rücksprung deutlich verschärft wird. Das gilt besonders, wenn bei schneller Ausführung im Stütz nicht ausreichend stabilisiert wird. Der Sportler fällt dann sozusagen durch bis zum Boden und muss hier noch mehr Stabilisierungsarbeit leisten. Eine gängige Lösung für dieses Problem ist der "Hand release Burpee" bei dem vollständig abgelegt wird und die Hände kurz vom Boden kommen. Diese Lösung finde ich aus zwei Gründen suboptimal: erstens wird durch das Ablegen die Körperspannung aufgegeben, was m.E. der wichtigste Aspekt der Liegestütze ist und zweitens besteht auch hier ein Risiko für den unteren Rücken, wenn hochgedrückt wird bevor der Körper wieder vollständig stabilisiert ist.


Schritt 4: Wie der Übergang von der Hocke in den Stütz ist auch dieser Übergang nicht ganz unproblematisch. Wenn ausreichende Mobilität vorhanden ist, ist alles gut - aber eher steife Zeitgenossen haben es hier schwer. Wie Skinny Piets Bilderserie oben zeigt,  werden erst beide Beine angezogen und dann der Oberkörper aufgerichtet, um sicher in den Strecksprung übergehen zu können. Dabei ist es nötig, dass die Beine recht nah unter den Schultern landen damit das anschließende aufrichten auch klappt.


Schritt 5: Dieser ist meines Erachtens für einen durchschnittlich trainierten Zeitgenossen der am wenigsten problematische Teil der Übung. Vorausgesetzt der Trainierende landet am Ende von Schritt 4  in einer schönen aufrechten Hocke, besteht hier eigentlich kein Risiko. Bei sehr schneller Ausführung sollte man dennoch darauf achten, im Stehen soweit abzubremsen, dass man nicht aus voller Sprunghöhe in die nächste Wiederholung "hinein fällt".

Langer Rede kurzer Sinn


Der Burpee ist weit schwieriger in der Ausfühung als es auf den ersten Blick aussieht und bietet sich deshalb eigentlich nicht wirklich für hohe Trainingsvolumina und Geschwindigkeiten. Andererseits bekommt der Burpee seinen Reiz ja genau durch die hohe Geschwindigkeit und das hohe Volumen - wofür ist er also gut, wenn man diese beiden Aspekte weglässt.
Natürlich ist es möglich den Burpee sicher auszuführen selbst bei hohem Tempo - aber nur für wirklich fitte Menschen, die sich der bio-mechanischen Schlüsselstellen bewusst sind. Für alle übrigen ist es sinnvoller Liegestützen und Kniebeugen getrennt zu trainieren.


Das folgende Video zeigt eine eine Variante von der ich glaube, dass sie einige der Probleme löst:



Das war meine Meinung, bitte schreib mir Deine unten in die Kommentare.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Das VO2Max Protokoll von Kenneth Jay - Ausdauer ist programmierbar



VO2Max - zu deutsch: Maximale Sauerstoff-Aufnahme-Kapazität des Blutes - ist der exakteste klinische Indikator für Ausdauerleistungsfähigkeit. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass eine gezielte Steigerung dieser Variablen auch ein dramatische Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit verspricht. Kenneth Jay, seines Zeichens Sportwissenschaftler, hat mit diesem Programm ein Werkzeug geschaffen mit dem sich Ausdauerleisungsfähigkeit rapide und mit einem sehr geringem Einsatz an Trainingszeit verbessern lässt.
Ich selbst und viele andere haben das Protokoll mehrfach getestet - es liefert erstaunliche Ergebnisse.
Warnung: Es ist zwar einfach aufgebaut – aber von leicht auszuführen hat keiner gesprochen.
Warnung 2: das Protokoll ist nicht für Leute geeignet, die den Snatch gerade erlernt haben. Deine Technik muss stattelfest sein!

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Pawels Buch auf Deutsch

Enter The Kettlebell! Das orig. Dragon Door Buch in DEUTSCH
Übersetzung von mir persönlich überarbeitet.


Enter The Kettlebell! Das orig. Dragon Door Buch in DEUTSCH



Easy Strength von Pavel und Dan John




The RKC Book of Strength and Conditioning

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