Mittwoch, 24. April 2013

Der Snatch - der Zar unter den Kettlebell Übungen


Der Snatch ist sicherlich die Übung, nach der ich am häufigsten gefragt werden. Jeder will snatchen - und das am liebsten von Anfang an. Unsere RKC Einstiegsseminare, die Enter the Kettlebell Seminare, beinhalten diese Übung bewusst nicht.
Natürlich ist der Snatch eine hervorragende Übungen! Explosive Kraft, schier grenzenlose Leistungsfähigkeit, sowie eine unvergleichliche Schmerztoleranz sind nur ein paar Qualitäten, die der Snatch fördert aber auch fordert.
Wer ein intensives Snatch Workout überstanden hat - den schreckt so schnell nichts mehr. Nicht umsonst ist der RKC Snatch-Test der Angstgegner schlechthin für angehende Instruktoren. Eine schwere Kettlebell 100 mal in 5 Minuten über den Kopf zu snatchen ist durchaus ein Erlebnis.

Hinweis: Bitte erwartet in diesem Artikel keine Übungsbeschreibung - nach meiner Erfahrung ist es praktisch unmöglich ballistische Übungen nach einer schriftlichen Vorlage korrekt zu erlernen. Aus diesem Grund mache ich erst gar nicht den Versuch. Der Artikel soll eine Orientierung für Leute sein, die den Snatch erlernen wollen und denen, die die Übung bereits kennen, einige neue Kniffe vermitteln mit denen sie die Übung noch effektiver gestalten können. Die Lektüre dieses Artikels ersetzt nicht den Besuch beim qualifizierten Trainer.


Robert Rimoczi Senior RKC und ich in der Ausgangsposition.



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Freitag, 12. April 2013

Hoch damit - Der Military Press


Vermutlich gibt es keine Übung, die so klar zeigt, aus welchem Holz Du geschnitzt bist, wie der Military Press mit einer Kettlebell.
Anfänger können die Faszination dieser Übung meist nicht nachvollziehen. Was soll schon schwer daran sein, seinen Arm mit ein bisschen Gewicht daran senkrecht über den Kopf zu stecken? - Genau hier liegt das Missverständnis: mit ein bisschen Gewicht ist die Übung denkbar unspektakulär. Wie Mark Reifkind es formuliert: "everything is easy - till it gets heavy". Wer vom Military Press spricht, der spricht über Gewichte von etwa 50 % des Körpergewichts bei Männern bzw. 30 % des Körpergewichts bei Frauen. Alles was darunter liegt ist "Cardio" - wie Pavel es formulieren würde.

Das Beast: 48 kg die gedrückt werden wollen.


Kommt man aber in den oben genannten Bereich, merkt man schnell wie viel einem diese scheinbar einfache Übungen einem über den eigenen Körper beibringen kann. Jede neue Kugel ist eine neue Herausforderung und kann Dir Neues über Deinen Körper, das Zusammenspiel Deiner Muskeln und Deine ganz persönlichen Schwachstellen verraten - wenn Du mit gesundem Menschenverstand und Geduld daran gehst sie zu meistern.


Vier Regeln für einen starken Press:


Dein Press ist immer nur so gut wie Dein Clean

Der Clean, also das in die Rack-Position bringen der Kettlebell, ist eine technisch etwas knifflige Übung. Ziel ist es, das Gewicht der Kettlebell dafür zu nutzen, Dich mit dem Gewicht der Kugel aufzuladen. Du leitest sozusagen die Kraft der Kugel durch Deinen Körper in den Fussboden - und erhöhst damit die Anspannung im ganzen Körper. Ein guter Clean ist als würde die Kettlebell in die Rack-Position "einrasten" - stell Dir vor, jemand würde versuchen, Dir die Kettlebell unmittlebar nach dem Aufnehmen, zu entreissen. Wenn Du daran arbeitest die nächst schwerere Kugel zu pressen - übe den Clean mit einer noch schwereren Kugel.

Finde den optimalen Groove

Wenn Du eine für Dich sehr schwere Kugel in der Hand hast, ist nicht der richtige Zeitpunkt, um die Feinheiten des Military Press zu erkunden. Übe zunächst solange mit einer moderat schweren Kugel bis jeder Deiner Presses exakt gleich aussieht. Um den optimalen Groove (= Weg den die Kettlebell während der Übung nehmen soll) zu finden funktioniert es gut, wenn Du zunächst den sogenannten Bottom Up Press übst (nimm eine leichte Kugel): dabei steht die Kugel auf dem Kopf, während Du sie drückst.
Grundsätzlich kann man sagen, dass der Groove optimal ist, wenn Dein Ellenbogen während der gesamten Übung exakt unter dem Massenmittelpunkt der Kugel bleibt.

Je stabiler das Fundament umso stärker der Press

Dass grosse, schwere Gebäude ein starkes Fundament brauchen, haben die Baumeister schon vor Jahrhunderten erkannt. Dass das gleiche auch gilt, wenn Du schwere Lasten bewegen willst, ist seltsamerweise nicht jedem klar. Besser gesagt ist den wenigsten klar, wie sie dieses Fundament schaffen. Schuhe mit gepolsterten Sohlen (Jogging Schuhe) verschlechtern Deinen Bodenkontakt und damit Deine Standfestigkeit so sehr, dass sie objektiv gesehen ein Verletzungsrisiko darstellen. In der RKC gilt die Regel, dass wir niemanden trainieren, der sich weigert, sein ungeeignetes Schuhwerk auszuziehen. Den besten Kontakt hast Du barfuss - und wenn das nicht geht, achte auf die dünnst möglichen Sohlen.Ich nutze seit Jahren die Vibram Five Fingers, wenn ich mal in einem Studio bin in dem ich nicht barfuss trainieren kann oder will.
Aber der ungestörte Kontakt zu Mutter Erde alleine sorgt noch nicht zwangsläufig für einen starken Press - es ist ebenfalls wichtig, den richtigen Stand zu haben. Stehst Du zu schmal, leidet Deine Balance und Du kannst nicht Dein ganzes Kraftpotential ausschöpfen. Stehst Du wiederum zu breitbeinig, kannst Du Dich nicht richtig anspannen und verlierst auch wieder Kraft. Für die meisten Leuten liegt die optimale Breite irgendwo zwischen Hüft- und Schulterbreite - die exakte Breite ist individuell je nach Körpergeometrie und somit Erfahrungssache.
ACHTUNG: Wenn Du nicht beängstigend breite Schultern hast bzw. mit winzigen Kugeln trainierst, musst Du Deine Standbreite reduzieren, bevor Du drückt - übe das, damit Du dabei nicht die Spannung verlierst.
Eine weitere unerlässliche Technik für einen starken einseitigen Press ist es, Deine Hüfte unter die Kugel zu bringen.

Kraft = Anspannung

Wenn es beim Military Press ans Eingemachte geht, dann ist entscheidend wie groß der Prozentsatz deiner Muskeln ist, den Du willentlich anspannen kannst. Muskelmasse ist nicht ausschlaggebend. Unser Master RKC Max Shank, der im September in München den ersten RKC Instruktoren Kurs auf deutschem Boden abhalten wird, drückt bei einem Körpergewicht von 82 kg zwei Beasts (48 kg Kettlebell) - eine stolze Leistung.





Wie kannst Du also diesen Prozentsatz maximieren? Dafür nutzen wir in der RKC sogenannte Spannungs-Techniken (Tension-Technics). Davon gibt es eine ziemlich grosse Anzahl, viele sind universell einsetzbar - andere funktionieren nur bei bestimmten Übungen.
Die einfachste und universellste ist den Gesäßmuskel bewusst maximal anzuspannen.

Selbstversuch: Nimm dir eine moderat schwere Kettlebell und drück sie (aufwärmen etc. muss ich nicht extra erwähnen - stimmt's?), stell ab, warte 30 Sekunden und drück sie noch mal - dieses mal spannst Du in dem Moment in dem du beginnst zu drücken deinen Po so fest an, dass Du das Gefühl hast gleich einen Krampf zu bekommen. Fühlst sich schön leicht an - oder? aber es ist das gleiche Gewicht.

Nach diesem kleinen Versuch hast Du jetzt vielleicht das Gefühl solche Tension-Technics sind so etwas wie Zauberei und wenn Du nur genügend davon aus Pavel's Büchern zusammenklaubst, bist Du stark wie ein Ochse - leider ist es nicht ganz so einfach. Unser Hirn ist ein recht limitiertes Werkzeug. Maximal sieben verschiedene Dinge kann der Durchschnittsmensch gleichzeitig berücksichtigen. Wenn Du dazu noch eine schwere Kettlebell in der Hand hast, reduziert sich diese Zahl auf maximal drei bis vier. Was tun? Den Einsatz von Tension-Techniken musst du üben, wie alles andere auch. Nimm dir eine nach der anderen vor und übe sie solange bis sie Dir zur zweiten Natur wird. Erst jetzt kannst Du Dir sicher sein, dass Du sie in einer Stresssituation - und glaube mir, der erste Clean mit dem Beast ist solche - automatisch einsetzt. Wenn Du eine gemeistert hast, nimm dir die nächste vor. So vergrößerst du nach und nach die Anspannung in deinem gesamten Körper und kannst immer mehr Kraft ausüben.





Montag, 8. April 2013

Warum Du den Flexible Steel Workshop im Mai nicht verpassen solltest...

Lieber Leser,


eigentlich schreibe ich gerade an einem Artikel über den Military Press mit der Kettlebell (der vermutlich Mitte bis Ende dieser Woche erscheinen wird) - aber da das Ende der Frühbucher-Periode (21.April) für den oben genannten Workshop immer näher rückt wende ich mich heute mal mit einem direkten Appell an Dich:

Lasst Dir Chance nicht entgehen, zwei Tage vom einem der qualifiziertesten Trainer zum Thema Flexibilität und Beweglichkeit zu lernen. 

Früher oder später werden diese beiden Qualitäten für fast jeden Sportler zu einem Flaschenhals, der eine Weiterentwicklung verhindert - selbst in Sportarten die man landläufig nicht mit besonderer Beweglichkeit assoziiert. Sehr häufig wird die Ursache, wegen der der Fortschritt ausbleibt, weder vom Sportler selbst noch von dessen Trainern erkannt.
Es gibt keine Grenzen - nur Hindernisse und ob Du Dich davon aufhalten lässt ist Deine Entscheidung

So gut wie alle Ausnahme-Athleten, die ich bisher kennengelernt habe, haben eine Gemeinsamkeit: Überragende Flexibilität gepaart mit Kraft und Stabilität. 

Jon Engum hat aufgrund seiner eigenen Geschichte wie auch wegen seiner langjährigen Erfahrung als Trainer einen Werkzeugkasten entwickelt mit dem Du Dir und Deinen Kunden die Frustration von scheinbar unüberwindlichen Plateaus von vorn herein ersparen kannst. Egal ob Du ein erfahrener Athlet mit jahrelanger Trainingserfahrung oder ein Neu-/Wiedereinsteiger bist: Wenn Du in Dein Training ein sinnvolles und durchdachtes Flexibilitäts-Programm integrierst, wirst Du in vielfacher Hinsicht davon profitieren:

  • Du vermeidest Plateaus, die Deinen Fortschritt behindern.
  • Du schaffst Mobilitätsreserven, denn die meisten Verletzung im Sport passieren an den äußeren Grenzen des Bewegungsraumes.
  • Du beugst Gelenkbeschwerden vor.
  • Deine Bewegung wird harmonischer, sieht besser aus und fühlt sich besser an.
  • mehr Details zum Kursinhalt...

Deine Chance:


In den USA, wo die RKC Kettlebell-Schule zuhause ist, gibt es zahllose Workshops mit den hochkarätigen Spezialisten aus verschiedensten Disziplinen die sich zusammengeschlossen haben um diese Institution ins leben zu rufen - bei uns in Deutschland bisher leider nicht.  Ich bin bereits für mehrere Workshops in die Staaten gereist und habe Unsummen an Flug, Hotel, Taxikosten etc. ausgegeben - die eigentliche Teilnehmergebühr ist im Vergleich zu diesen Kosten fast vernachlässigbar. Aber auch wenn ich für jeden dieser Workshops bisher etwa das fünf bis zehnfache dessen was dieser Workshop kostet, ausgegeben habe nie einen Cent davon bereut.

Jon und Pavel auf einem Workshop in den USA


Ich habe Jon Engum eingeladen, seinen Flexible Steel Workshop bei uns in Deutschland zu halten, damit möglichst viele von uns von seinem Wissen profitieren können. Natürlich kann ein Workshop mit einem Instruktor aus den USA nicht zum selben Preis realisiert werden wie wenn ein Ortsansässiger den Kurs abhalten würde aber im Verhältnis zu dem was dich der gleiche Kurs in den USA Kosten würde ist dieser Workshop eine einmalige Gelegenheit -

aber lassen wir die finanzielle Seite mal außer acht! Es gibt noch einen weiteren zwingenden Grund, warum Du diesen Kurs nicht verpassen solltest:

Was Jon vermittelt, sind nicht eine handvoll neuartiger Dehnungsübungen die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat - der Kerninhalt des Kurses sind die Prinzipien, die für ein erfolgreiches Flexibilitäts-Training unerlässlich sind - so vermittelt dass Du sie sofort bei Dir (oder anderen) anwenden kannst. Wie ich in meinem vorletzten Artikel erklärt habe braucht es mehr als Fleiss und zusammengebissenen Zähne um erfolgreich seine Beweglichkeit zu verbessern. Durch die Anwendung von Jon's Prinzipien gelingt es jedem sofort seine Range of Motion zu erweitern - ohne Spätfolgen befürchten zu müssen.
Mehr zum Kursinhalt...

Greife jetzt zu! - und spare 100 €


Nur noch bis zum 21. April gilt der Frühbucher-Preis von 449 € dann wir der Kurs um 100 € teurer.
Freitag, 29. März 2013

Die Jagd des nackten Kriegers

Das Training mit dem eigenen Körpergewicht, oder neudeutsch Bodyweight-Training, betreibe ich schon seit Jahrzehnten - immerhin besteht das Taekwondo Training zu 100 % aus solchen Übungen. Vor zwei Jahren als Pavel Tsatsouline seinen ersten Workshop zu diesem Thema anbot, war ich darum auch einer der ersten, der sich dafür anmeldete. Wie jeder Workshop mit Pavel, den ich bisher besuchte habe, hat auch dieser die Art meines Trainings für immer verändert. Im letzten Jahr wurde aus dem Workshop dann eine Zertifizierung - die Naked Warrior Certification - und so konnte ich nicht umhin ein weiteres Mal nach Minneapolis zu fliegen.

Wer das Buch kennt, dass dieser Zertifizierung seinen Namen gab, weiß: das Programm besteht aus nur zwei Übungen:

  • Die Pistol (einbeinige Kniebeuge)
    und die
  • 1 Arm/1 Bein Liegestütze. 


Die Pistol - Kniebeuge auf einem Bein


Die Pistol oder Einbein-Kniebeuge, stellt einen sportlichen und gut koordinierten Menschen vor keine größeren Probleme. Zwar sollte man beim Erlernen der Übung den gesunden Menschenverstand einsetzen, aber die Intensität hält sich in Grenzen. Zugegeben - das ist eine gewagte Aussage, wenn man weiß, dass 75 % der Bevölkerung nicht einmal in der Lage sind, herkömmliche Kniebeugen sauber auszuführen, aber ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Leser dieses Blogs zu den anderen 25 % gehören.

1 Arm/1 Bein-Liegestütze - wer braucht Hanteln zum Bankdrücken?


Die Ein-Arm-Ein-Bein-Liegestütze ist hier eine andere Nummer. Bei herkömmlichen Liegestützen liegt die Belastung etwa bei 55 % des Körpergewichts, das mit beiden Armen gedrückt wird. Diese Belastung lässt sich annähernd beliebig anpassen, indem man entweder Arme (leichter) oder Beine (schwerer) erhöht.  Zur einarmigen Liegestütze, bei der die 55 % des Körpergewichts mit nur einem Arm gedrückt werden müssen, ist es ein ziemlich großer Sprung. Ohne gezielt hinführendes Training, wird kaum einer diese Übung meistern. Bei dieser ohnehin herausfordernden Übungen nun noch auf ein Bein zu verzichten, macht das ganze aus zwei Gründen schwierig:

  • Erstens und offensichtlicher Weise muss das Körpergewicht nun auf nur zwei Stützen verteilt werden, wodurch es noch ein paar Prozentpunkte mehr werden, die gedrückt werden wollen. 
  • Zweitens kommt noch ein nicht unerheblicher Gleichgewichts-Aspekt hinzu, der es wesentlich schwerer macht Kraft auszuüben. Einem Sportler, der in der Lage ist eine Kniebeuge mit sagen wir seinem eigenen Körpergewicht auszuführen, wird das gleiche Gewicht problemlos in der Bein-Presse bewegen können. Der umgekehrte Fall trifft nicht zu. Das liegt daran, dass die Bein-Press Maschine dem Körper die Stabilisierung des Gewichts vollständig abnimmt. Ein anderes Beispiel dieses Effekts wäre ein Military-Press auf einem Wackel Brett - Versuch es und du wirst feststellen, dass du bei weitem nicht an deine persönliche Bestleistung herankommst. 

Aus diesen genannten Gründen hat Pavel genau diese Übung als Zertifizierungs-Voraussetzung ausgewählt. Er selbst sagt dazu: „Wenn einer in der Lage ist, die ein-Arm-ein-Bein-Liegestütze auszuführen, kann ich mir sicher sein, dass er das Prinzip der Verknüpfung (Linkage) begriffen hat - Wer es nicht verstanden hat, hat hier keine Chance.“




Mein persönliches Waterloo


Ich glaube sagen zu können, dass mir dieses Prinzip mittlerweile ziemlich vertraut ist - habe es aber trotzdem bisher noch nicht geschafft eine saubere Wiederholung zu Stande zu bringen. Ich will nicht jammern, aber es ist so ziemlich alles schief gelaufen, was schief laufen konnte. Natürlich hatte ich mich ausgiebig auf die Teilnahme an dem Workshop vorbereitet - und dass auch mit gutem Erfolg. Eine Woche bevor ich letzten Oktober ins Flugzeug stieg, war ich sehr nahe dran. Ich ging davon aus, dass das Adrenalin und ein paar zusätzliche Tricks, die ich im Workshop zu bekommen hoffte mir den Erfolg bescheren würden. Leider begannen meine Schultern ca. eine Woche vor dem Abflug in Streik zu treten. Schmerzhafte Muskel-Spasmen aus heiterem Himmel machten mir klar, dass ich es wohl in den Monaten vor dem Workshop etwas zu gut gemeint hatte. An eine erfolgreiche Zertifizierung war somit nicht mehr zu denken. Der Workshop war natürlich trotzdem toll, ich hab viel gelernt. Wie bei allen derartigen Workshops hat man bekanntlich sechs Monate Zeit, um ein Video nach zu liefern. Am 15. April läuft meine Frist ab und ich habe vor diese zu halten!

Nachdem ich zuhause war, ging es erst einmal darum mein Schulterproblem wieder in den Griff zu bekommen. Einige Wochen mit nur leichten Training, komplett ohne Presses dafür mit Massagen - und ich konnte wieder anfangen meinen Liegestütze zu üben. Etwas schlauer geworden, ließ ich es zunächst langsam angehen. Einige Hindernisse wie eine Tae Kwon Do Dan-Prüfung (2.Dan) und andere Kleinigkeiten behinderten weiterhin eine ungehinderte Vorbereitung, aber jetzt bin ich wieder so weit.

Grease the Groove - meine Wunderwaffe


Ich verwendete im wesentlichen Pavels "Grease the Groove" Protokoll. Dieses ist nach meiner Erfahrung eine extrem mächtige Waffe, wenn es darum geht Kraft aufzubauen, ohne Muskeln zuzulegen.

Exkurs: Das ist übrigens eine Eigenart des Trainings mit dem eigenen Körpergewicht, dein ZNS registriert, dass der Widerstand den es zu bewältigen gilt, das Gewicht des eigenen Körpers ist. Darum werden keine neuen Muskeln aufgebaut wie es dem Hantel Training meist der Fall ist, sondern die vorhandenen Muskeln besser genutzt (will sagen: intensiver angespannt). Bei Turnern kann man diesen Effekt sehr schön sehen - obwohl sie mit extremen Belastungen arbeiten tendieren sie doch nicht zur Masse.

Zurück zum "Grease the Groove" Protokoll. Ziel dieses Protokolls ist (Originaltext Pavel)
"so viele Wiederholungen wie möglich so ausgeruht wie möglich auszuführen." 
Das erreicht man, indem auf herkömmliche Workouts vollständig verzichtet wird. Stattdessen übt man eine bis maximal zwei Bewegungen, verteilt über den ganzen Tag. Wer an den Geräten in einem Fitnessstudio arbeitet, wird natürlich Schwierigkeiten haben, dieses Protokoll für das Kreuzheben mit der Langhantel einzusetzen - Übungen mit dem eigenen Körpergewicht eigentlich dagegen perfekt. Experimente haben ergeben, dass 15 Minuten Pause zwischen den Einheiten die besten Ergebnisse bringen. Nehmen wir Pavel's ursprüngliches Naked Warrior Protokoll: Du übst die Pistol und die einarmige Liegestütze ca. alle 15 Minuten den ganzen Tag lang. Dabei nutzt du eine Progressionsstufe, die dich zwar herausfordert, aber noch deutlich von der maximalen Leistungsfähigkeit entfernt ist (sonst geht es dir wie mir und du bekommst Muskel-Spasmen ;-). Besonders da in diesem Fall keinerlei aufwärmen stattfindet, ist es wichtig, dass mit sehr niedriger Intensität begonnen wird. Sobald du beginnst müde zu werden, machst du die Pausen länger oder lässt es für den Tag gut sein.
Dieses Protokoll ist besonders für intensive Übungen mit dem eigenen Körpergewicht geeignet, da hier ohnehin nicht bis zur Ermüdung trainieren werden kann. Wenn bei gymnastischen Übungen etwas schief geht - dann geht es schnell! Wer müde ist, reagiert zu langsam und riskiert sich zu verletzen.

Am Naked Warrior Workshop werde ich meine erste dokumentierte Wiederholung der 1 Arm/1 Bein-Liegestütze machen.

 




Da ich also in den nächsten zwei Wochen mein Video abliefern muss und außerdem mein „wie werde ich stark ohne Geräte“ Naked Warrior-Workshop (6.April) stattfindet, habe ich beschlossen, mein Video mit eurer Unterstützung bei dem Workshop zu drehen. Im Workshop behandeln wir ohnehin Pavel's Liegestütz- Progression deren End-Ausbaustufe die genannte 1 Arm/1 Bein- Liegestütze ist. Anhand dieser lernen wir mehrere Techniken die Muskelanspannung zu maximieren (Tension-Technics), die das Prinzip der Verknüpfung (Linkage) verdeutlichen. Wer mich also noch dabei unterstützen möchte - Plätze gibt es noch.

Frohe Ostern an Euch alle!



Mittwoch, 20. März 2013

Der Weg zu gesunder Flexibilitat

Oft sehe ich wie verbissen gedehnt wird - mit zusammen gebissenen Zähnen und verzerrtem Gesicht wird gestöhnt und gelitten. Trotz des offensichtlich intensiven Engagements fällt auf, dass sich Erfolge nur selten und schleppend einstellen.

Ich habe selbst über 10 Jahre in diese Kategorie gehört - trotz intensivem Tae Kwon Do Training und guten Anlagen was die Beweglichkeit angeht ist es mir nicht gelungen meine Beweglichkeit weiter als auf ein Niveau am oberen Ende des Bevölkerungsdurchschnitts zu bringen.

Dank Pavels Büchern (Super Joints und Relax into Stretch) und Jon Engums Flexible Steel (Buch / Workshop in Deutschland) ist es mir gelungen mit 39 Jahren das ultimative Felxibilitäts-Ziel jedes Kampfsportlers - den Seitspagat endlich zu erreichen.

Zwei Wege - nur einer führt Ziel!


Mehr Beweglichkeit - aber wie wird diese erreicht? Dazu gibt es zwei Wege - eine guten und einen schlechten:
Reden wir zunächst einmal über den schlechteren: dabei wird durch zu intensives Dehnen bei verkrampfter Muskulatur die so genannte Gelenksspalt-Beweglichkeit vergrößert - also das Gelenk selbst aufgedehnt. Das führt unweigerlich zu überbeweglichen Gelenken und in der Folge meistens zu Schwierigkeiten. Dazu kommt es in der Regel, wenn es einem Sportler nicht gelingt die umschließende Muskulatur des zu dehnende Gelenks zu entspannen. Die verkrampfte Muskulatur verhindert, dass sich das Gelenk auf natürliche Weise öffnen kann, somit bleibt nunmehr die Möglichkeit das Gelenk “auszuhebeln", wenn man trotzdem mehr Beweglichkeit erzwingen möchte.




Der richtige Weg führt über die Entspannung der Gelenks umschließenden Muskulatur bei gleichzeitiger Stabilisierung der beteiligten Gelenke. Das klingt paradox, darum will ich versuchen es etwas genauer zu erklären:
Jeder unseren Muskeln erfüllt eine von zwei Rollen - Bewegung oder Stabilisierung. Die grossen, klar sichtbaren Muskeln haben in der Regel die Aufgabe unseren Körper gegen den Widerstand der Gravitation zu bewegen. Diese "Prime Movers" sind es darum auch an die man zumeist denkt, wenn es um Krafttraining geht. Die vielen glänzenden Maschinen in unserem heutigen Fitnessstudios beschäftigen sich ausschließlich mit diesen optisch klar erkennbaren Muskeln.
Die zweite Gruppe ist für die Stabilisierung unserer Gelenke, also die Haltung zuständig. Diese Stabilisierungsmuskeln sind wesentlich kleiner und darum meist von außen nicht sichtbar. Nichtsdestoweniger sind sie für ein erfolgreiches Krafttraining nicht zu vernachlässigen.
Einige Muskelgruppen wie zum Beispiel die Bauchmuskeln können beide Rollen erfüllen.
Wenn wir nun versuchen flexibler zu werden, müssen wir diesen Unterschied genau im Auge behalten! Ziel jedes vernünftigen Flexibilität-Trainings muss es sein, die beteiligten Prime Movers zu entspannen, die Stabilisierungsmuskulatur aber festzuhalten, um die Integrität der zu dehenden Gelenke nicht aufs Spiel zu setzen.

Anmerkung: Wer sich jetzt fragt woher ich meine Informationen zu diesem Thema habe: Ich habe beide Wege ausgiebig erforscht - der erste (falsche) hat mir eine leichte Arthrose im linken Hüftgelenk beschert - der zweite den (in wesentlich kürzerer Zeit) den Erfolg den du im obigen Video siehst.


Die Voraussetzungen für eine gesunde Flexibilität:


  • zunächst ist unerlässlich, dass die beteiligte Muskulatur hervorragend trainiert wird. Wer ohne ein solides Fundament an Kraft daran arbeitet seine Gelenke aufzudehnen, bereitet den Weg für Überlastungsverletzungen, sobald er beginnt die neu erworbene Bewegungsreichweite unter Last einzusetzen. 
  • Ist dieses Fundament gelegt, können wir uns um die eigentliche Beweglichkeit kümmern. Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu machen, um welche Gelenke es bei der jeweiligen Übung eigentlich geht. Allzu oft sehe ich wie Leute ihren unteren Rücken - die letzte Stelle, die du dehnen möchtest - lang ziehen, anstatt die eigentlich anvisierten Hüftgelenke zu dehen. Einfach ausgedrückt: wenn Du Gelenk A dehnen möchtest und es zieht in Gelenk B, dann machst Du etwas falsch.
  • Wie vorher beschrieben, ist es die Aufgabe der großen Muskeln, die für die Bewegung zuständig sind, beim Dehnen loszulassen und die Aufgabe der kleinen Muskeln die Gelenke zu stabilisieren. Im Bereich dieser kleinen Muskeln werden also beim Flexibilitätstraining Maximalbelastungen erreicht. 
  • Aus diesem Grund sollten wir unsere Dehnübungen genauso behandeln wie ein Maximalkraft-Training: selten Maximalbelastung, wechselnde Intensitäten und ausreichende Erholungsphasen. Ich selbst dehne kaum einmal länger als 5 Minuten pro Session.
Dank Gray Cook's Erkenntnissen aus den FMS wissen wir, dass Beweglichkeit immer von einem entsprechend großen Maß an Stabilität unterstützt werden muss. Das bedeutet, je beweglicher ein Athlet ist, umso besser muss er in der Lage sein, sich zu stabilisieren. Überlege dir also gut wie viel Beweglichkeit du für Deinen Sport wirklich brauchst. Ein Boxer wird in seinem Sport nicht davon profitieren den Spagat zu erlernen, im Gegenteil kann die übermäßige Beweglichkeit der Hüfte sogar zu Problemen führen. Für einen Kampfsportler zu dessen Sportart hohe Kicks gehören, sieht die Sache aber ganz anders aus. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich aber, dass zu intensives Dehnen ohne adäquates Krafttraining zu Problemen führt.

Großmeister und Master RKC Jon Engum, der uns im Mai besuchen wird, hat sich im Laufe seiner Kampfsport-Karriere einen umfassenden Werkzeugkasten an Übungen und Tricks erarbeitet, die es jedem ermöglichen seine Beweglichkeit auf gesunde Weise zu verbessern. Egal ob Du Deine eingerosteten Knochen wieder beweglich machen willst oder Dir nur noch Centimeter zum Spagat fehlen - Jon wird es richten. In wenigen Wochen läuft der Frühbucherrabat aus, also nutze jetzt die Gelegenheit! Reserviere Dir Deinen Platz!




Donnerstag, 7. März 2013

Bauchmuskeln richtig trainieren

Unsere Bauchmuskeln effektiv zu trainieren ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung:

  • Zum einen haben die Bauchmuskeln im Gegensatz zu den meisten anderen Muskelgruppen sowohl haltende als auch bewegende Funktion - somit muss ein funktionales Bauchmuskeltraining beide Rollen berücksichtigen. 
  • Zum anderen spielen die Bauchmuskeln bei den meisten Bewegungsabläufen an denen sie aktiv beteiligt sind die zweite Geige und werden von den stärkeren Hüftbeugern übertrumpft. 
  • Und zu allem Überfluss haben unsere armen Bauchmuskeln nicht mal ein eigenes Gelenk für das sie exklusiv zuständig sind.


Kein Wunder also, dass die Bauchmuskel häufig vernachlässigt werden oder nur wenig effektiv trainiert werden. Dabei ist ein effektives Bauchmuskel-Training einer der einfachsten Wege, um insgesamt stärker zu werden.



Also wie geht es denn nun richtig?


Samstag, 23. Februar 2013

Jenseits der Big 6

50 - 80 % meines Kettlebell-Trainings bestreite ich mit nur zwei Übungen: Swing und Getup. Pavel nennt es in seinem Buch 'Kettlebell Training' das Programm Minimum. Die anderen vier RKC Übungen Squat, Clean, Military Press und Snatch machen weitere 10 bis 30 % meines Trainingsvolumens aus.
Ich kann mir ohne Probleme vorstellen, mich ausschliesslich auf das Programm Minimum zu beschränken - ich bin sicher, mir würde nicht langweilig werden und meine Leistungsfähigkeit würde sich weiterhin verbessern.
Bedeutet das, dass man ausser den Big 6 nichts weiter braucht, um in Bestform zu kommen? - absolut! Wer die Voraussetzungen von Pavels Rite of Passage (10 Minuten Snachttest und halbes Körpergewicht im Military Press) erfüllen kann, ist, was seine Fitness betrifft, sicherlich weltweit bei den oberen 10 % angesiedelt. BITTE jetzt NICHT los laufen und einfach mal ausprobieren wie weit Du kommst - es brauch umfangreiche und gezielte Vorbereitung - ohne diese ist es mehr als GEFÄHRLICH!

Und doch bietet das RKC II Programm noch 6 weitere Übungen - die so genannten Advanced Basics.

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Pawels Buch auf Deutsch

Enter The Kettlebell! Das orig. Dragon Door Buch in DEUTSCH
Übersetzung von mir persönlich überarbeitet.


Enter The Kettlebell! Das orig. Dragon Door Buch in DEUTSCH



Easy Strength von Pavel und Dan John




The RKC Book of Strength and Conditioning

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Enter the Kettlebell Seminar

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Naked Warrior Workshop

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RKC Big Six Workshops:

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Florian Kiendl RKC CK-FMS. Powered by Blogger.